Gewaltige Ausmaße, zwei Kanonendecks und Holz aus dem Jahr 1627: Unterwasser-Archäologen haben ein Schiffswrack nahe Stockholm als die lang gesuchte „Äpplet“ aus der schwedischen Kriegsflotte des 17. Jahrhunderts identifiziert. Es handelt sich dabei um das etwas jüngere Schwesterschiff der berühmten „Vasa“, deren Wrack in einem Museum zu bewundern ist. Untersuchungen der Äpplet könnten nun Einblicke darin gewähren, wie sich die großen Kriegsschiffe von der katastrophal instabilen Vasa zu den mächtigen Herrschern der Ostsee entwickelten, sagen die Experten.
Das spannende Kapitel Schifffahrtsgeschichte beginnt im Jahre 1625: König Gustav II. Adolf wollte die Seemacht Schwedens entscheidend stärken und gab deshalb den Auftrag zum Bau neuer Schlachtschiffe. Mit über 50 Metern Länge und mehr als 60 Kanonen sollten dabei die beiden Galeonen Vasa und Äpplet zu den Prunkstücken der Flotte werden. Zunächst wurde die Vasa im Jahr 1628 fertiggestellt. Doch sie stellte sich als eine katastrophale Fehlkonstruktion heraus: Sie war zu schmal gebaut und toplastig. Ein bescheidener Windstoß stieß sie deshalb schon auf ihrer feierlichen Jungfernfahrt um. So versank das prunkvolle Prestigeobjekt und riss dabei viele Besatzungsmitglieder in den Tod. Doch das sollte nicht das endgültige Schicksal der Vasa bleiben: Ihr Wrack wurde im 20. Jahrhundert geborgen und präpariert. Es wird heute im Vasa-Museum in Stockholm ausgestellt.
Verbessertes Schwesterschiff
Die Geschichte des Schwesterschiffs Äpplet nahm allerdings einen anderen Lauf: Der Konstrukteur beider Schiffe hatte offenbar schon vor dem Stapellauf der Vasa befürchtet, dass sie wackelig werden könnte. Die Äpplet wurde deshalb breiter gebaut als die Vasa, um für mehr Stabilität zu sorgen. Dies zeigte Erfolg: Nach ihrem Stapellauf im Jahr 1629 erwies sich die mächtige Galeone im Gegensatz zu ihrer Schwester als seetauglich. Ihr Konzept galt zwar als verbesserungsfähig, immerhin leistete die Äpplet aber rund 30 Jahre lang ihren Dienst. Unter anderem konnte sie mit einer Fahrt etwa 1000 Mann an die deutsche Küste befördern, als Schweden in den Dreißigjährigen Krieg eintrat. 1658 wurde die Äpplet dann allerdings inspiziert und als nicht mehr für eine Reparatur geeignet befunden. Im folgenden Jahr wurde sie deshalb in einer Meerenge vor Stockholm bei der Insel Vaxholm absichtlich von der Marine versenkt, um Teil einer Seebarriere zu bilden, die dem Schutz der Hauptstadt dienen sollte.





