Die Calusa waren ein erstaunliches Indianer-Volk: Sie errichteten beeindruckende Bauwerke und lebten in einer komplexen Gesellschaft, obwohl ihre Lebensgrundlage im Gegensatz zu den Inka oder Azteken nicht der Ackerbau war. Erst vor kurzem haben archäologische Untersuchungen gezeigt, dass sie durch raffinierte Fischereitechnik Nahrungsüberschüsse produzieren konnten. Die Calusa trieben demnach Fische aus den Lagunenbereichen in große Becken und hielten sie dort als lebendigen Vorrat.
So konnten sie eine recht große Bevölkerung hervorbringen und auch eine beachtliche militärische Stärke. Dadurch beherrschten die Calusa über Jahrhunderte hinweg den Süden Floridas und konnten sich auch den Kolonialisierungsversuchen der Spanier lange widersetzen. So existierte das Calusa-Reich noch bis zum Ende des 17. Jahrhunderts weiter. Danach fiel das Indianer-Volk allerdings den eingeschleppten Krankheiten zum Opfer – ihre Kultur verschwand und geriet in Vergessenheit. Doch seit einigen Jahren widmen sich nun Archäologen der Erforschung der geheimnisvollen indianischen Gesellschaft. Die Untersuchungen in der Estero Bay im Westen Floridas haben mittlerweile bestätigt, dass sich dort einst die Hauptstadt der Calusa befand, von der die spanischen Überlieferungen berichten.
Texte berichten von einer dramatischen Geschichte

Es handelte sich um eine Siedlung aus großen Häusern, die auf bis zu zehn Meter hohen künstlichen Erhöhungen aus Muschelschalen (Mounds) erbaut waren. Die größten waren Mound 1 und Mound 2, die durch einen Kanal voneinander getrennt waren. Auf Mound 1 befand sich der eindrucksvolle Herrschersitz der Hauptstadt. Den Beschreibungen nach bot der Holzbau Platz für 2000 Menschen. In diesem „Königs-Haus“ kam es den Überlieferungen zufolge zu den ersten Verhandlungen der Spanier mit den Calusa: Im Jahr 1566 empfing der Herrscher „Caalus“ dort den spanischen Kolonialbeamten Pedro Menéndez de Avilés, der zuvor mit sieben Schiffen und 500 Mann an der südwestlichen Golfküste Floridas gelandet war.
Anfangs entwickelten sich die Beziehung offenbar positiv: Die Spanier durften in der Hauptstadt der Calusa ab dem Oktober 1566 ein Fort samt Mission errichten. Es handelte sich den Beschreibungen nach um einen beachtlichen Bau mit Befestigungen und Unterkünften für 30 Soldaten. Doch schon bald kam es zu Spannungen zwischen den Calusa und den Spaniern. Angeblich wurde der Herrscher gegenüber den Fremden feindselig und so töteten sie Caalus, um ihn durch einen freundlicheren Nachfolger zu ersetzen. Doch auch dieser änderte seine Ansichten über die Fremden und befahl schließlich im Juni 1569 einen Angriff auf ein Versorgungsschiff der Spanier. Zur Vergeltung tötete die Besatzung des Forts dann auch den neuen Herrscher der Calusa. Dies führte wiederum zu Unruhen, in deren Folge die Hauptstadt abbrannte und von den Bewohnern verlassen wurde. Anschließen gaben dann auch die Spanier ihren Stützpunkt auf. Die Calusa kehrten später allerdings wieder nach Mound Key zurück und errichteten dort erneut ihre Hauptstadt. Danach konnten sie noch eine recht lange Zeit weitgehend unbehelligt ihre Kultur aufrechterhalten.





