Die Gemeinde Gauting war bisher eher für ihre römische Vergangenheit bekannt: Archäologische Spuren zeugen von einem Truppenlager im Umfeld einer einstigen Fernstraße. Die neuen Funde am Gautinger Krapfberg belegen nun allerdings, dass der Ort auch noch nach dem Abzug der Römer eine Bedeutung besaß. Bereits in den 1860er und 1870er Jahren wurden bei Baumaßnahmen dort frühmittelalterliche Gräber entdeckt. Die aktuellen Funde sind allerdings die ersten, die durch moderne Methoden ausgegraben und dokumentiert wurden. Die Archäologen des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD) berichten nun über die mittlerweile gereinigten und konservierten Entdeckungen.
Die prächtigsten Funde stammen dabei aus dem Grab einer jungen Frau aus der Zeit um 600 n. Chr. Den Merkmalen ihrer Überreste zufolge hat sie nur ein Alter von etwa 20 Jahren erreicht. Offenbar gehörte die junge Dame der Oberschicht an, wie der reich verzierte und teils exotisch wirkende Goldschmuck verdeutlicht, mit dem sie bestattet wurde. „Das Grab der jungen Frau ist als eines der reichsten ihrer Zeit im südlichen Bayern einzuordnen“, sagt Mathias Pfeil vom BLfD.
„Eine frühmittelalterliche Trendsetterin“
Besonders interessant ist eine mit Granatsteinen verzierte Scheibenfibel aus purem Gold, die der Befestigung des Gewandes diente. Dem Gutachten zufolge stammte sie aus einer linksrheinischen, fränkischen Werkstatt. „Der kostbare Schmuck spricht dafür, dass die junge Frau einst eine äußerst modebewusste Trendsetterin gewesen sein muss“, sagt Pfeil. Denn die Art, wie die Trägerin ihren Mantel mit der Scheibenfibel verschlossen hat, dürfte zum Zeitpunkt der Bestattung gerade erst in Mode gekommen sein, erklären die Experten. Das Schmuckstück saß zentral und stets sichtbar im Brustbereich und stand für einen damals neuen Kleidungsstil mediterraner Prägung, der noch bis weit in das 7. Jahrhundert hinein modern bleiben sollte.
Die Granatsteine, die diese Fibel zieren, stammen wahrscheinlich aus Indien, sagen die Archäologen. Bezug zur Ferne besaß außerdem eine Bügelfibel aus dem Schmuckset der Dame, die aus feuervergoldetem Silber gefertigt war. Sie besaß einen Stil, der skandinavisch oder englisch anmutet. „Funde dieser Art waren echte Statussymbole und zeugen heute von einer zeitweise perfekt funktionierenden internationalen Handels- und Verarbeitungskette im Mittelalter“, sagt Jochen Haberstroh vom BLfD. Geradezu ein Symbol für das Ende der Antike und den Beginn des Mittelalters sind auch drei Goldmünzen, die offenbar die Halskette der Gautinger Dame zierten: Sie zeigen das Bildnis des oströmischen Kaisers Justinian (482 bis 565), dessen Herrschaft am Ende der Spätantike stand.





