Städel-Direktor Max Hollein dankte dem Ehepaar Beaucamp für deren ausgesprochene Großzügigkeit und ihr Engagement für das Städel Museum. Hollein bezeichnete die Schenkung als ein „wunderbares Weihnachtsgeschenk für das Städel, ganz im Sinne der vor knapp 200 Jahren von unserem Stifter Johann Friedrich Städel begründete Tradition des bürgerlichen Engagements.“ „Der Neuzugang eines derart wichtigen Meisterwerkes des italienischen Barocks schließt eine weitere Lücke in unserer Altmeistersammlung und hilft damit die Qualität unserer Sammlung kontinuierlich zu steigern“, betonte Prof. Dr. Jochen Sander, stellvertretender Direktor und Kurator für Gemälde der Alten Meister am Städel Museum.
Barbara und Eduard Beaucamp hatten die „Madonna mit Kind“ 1981 im Frankfurter Kunsthandel entdeckt und damals weit unter ihrem tatsächlichen Wert erworben, da das Kunstwerk als Kopie des 19. Jahrhunderts bewertet wurde. Die geschulten Augen des Kunstkritikers – Eduard Beaucamp war langjähriger Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung – und seiner Ehefrau Barbara Beaucamp – ebenfalls promovierte Kunsthistorikerin und Porzellan-Expertin – erkannten jedoch die außergewöhnliche Qualität des Gemäldes. Die Sammler zeigten es dem englischen Guercino-Spezialisten Sir Denis Mahon. Seine Expertise sowie umfangreiche nachfolgende Untersuchungen bestätigen, dass es sich bei dem Sensationsfund um ein eigenhändiges Gemälde Guercinos handelt. Seitdem wurde das Werk in den großen monographischen Guercino-Ausstellungen 1991 in Bologna und 2003 in Mailand gezeigt und fand den ihm gebührenden Platz in den von Luigi Salerno und David M. Stone herausgegebenen Guercino-Werkverzeichnissen.
Das auf Leinwand gemalte Bild zeigt die Gottesmutter, die versunken ihr Kind betrachtet. Sie hält es mit ihrer rechten Hand fest und hat es, so lässt ihre dezent entblößte Brust vermuten, gerade gestillt. Indem Guercino nur die Büste Mariens zeigt, rückt er den Betrachter nahe an die Figuren heran: die rechte Hand der Gottesmutter ist angeschnitten, ebenso ihre linke Schulter, über die ein blauer, weicher Mantel fällt. Zu ihrem in traditionellem Rot gehaltenem Kleid gesellen sich ein weißes Hemd, Tücher in Dunkelgrün und Ocker. Vor allem aber das hellviolett schimmernde, turbanartig um den Kopf gewundene Tuch verstärkt Marias lockere, fast nonchalant wirkende Erscheinung. Konstituierend für die Wirkung des Bildes ist ein starker Kontrast zwischen hell beschienenen Flächen und verschatteten Partien: vor dem schlichten, braunen Hintergrund erhalten die Figuren auf diese Weise eine ungemein plastische Präsenz. Der asymmetrische Bildaufbau verstärkt den Eindruck, dass der Betrachter die intime Szene zwischen Mutter und Kind ganz zufällig beobachtet. Der geneigte Kopf der Madonna lenkt die Andacht des Betrachters auf das Kind. Indem er Babyspeck und Haarflaum so ungemein natürlich zeigt, betont Guercino einmal mehr die Menschlichkeit des Gottessohnes.





