“Vermutlich wollten die Römer hier die Hauptstadt ihrer Provinz Germanien errichten. Wir werden Teile dieses wichtigsten römischen Militärkomplexes rechts des Rheines nicht nur ausgraben und auswerten, sondern auch rekonstruieren: Die Zeit der Römer in Westfalen soll vor den Augen unserer Besucher buchstäblich aus dem Boden wachsen – eine in Westfalen einzigartige Attraktion”, so Kirsch.
“Die Grabungen in Haltern sind aus meiner Sicht eines der spannendsten archäologischen Projekte der Römerforschung in Westfalen. Daher beabsichtigt das Land NRW dieses Projekt mit mehr als zwei Millionen Euro finanziell zu unterstützen”, sagte Minister Voigtsberger. Das Land hat das Projekt bereits mit über 700.000 Euro gefördert.
Bevor es an die eigentlichen Bauarbeiten geht, müssen noch wissenschaftliche Fragen geklärt werden: Ein 15-köpfiges Archäologen-Team des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) untersucht bis Herbst dieses Jahres auf einer Fläche von 6.000 Quadratmetern die Westseite des ehemaligen 18 Hektar großen Römerlagers, den letzten noch unbekannten Teil des Militärkomplexes.
Die Grabungsergebnisse bilden dann die Grundlage für eines der größten zukünftigen Projekte der experimentellen Archäologie in Nordrhein-Westfalen: Auf dem Außengelände des Museums wird nach und nach ein Teil der ehemaligen römischen Bebauung in historischer Bauweise rekonstruiert – beginnend mit dem Westtor der Anlage.
“Wir erwarten hier vor allem Reste der Umwehrungsanlage zu finden, die das Lager umgab – und können dadurch Rückschlüsse auf die Beschaffenheit der Spitzgräben und Wehrmauer, ihrer Höhe und ihren Verlauf schließen”, erklärte der LWL-Chefarchäologe Prof. Dr. Michael Rind. “Kernstück der Forschung ist das große Westtor des Militärlagers.”
“Eventuell werden wir sogar auf die Wallstraße, die sogenannte “via sagularis” stoßen”, hofft Grabungsleiterin Dr. Bettina Tremmel. Wertvolle Informationen halten womöglich auch Abfallgruben bereit, die im Lagerinneren nahe den Befestigungsbauwerken zu erwarten sind. “Am Inhalt der Gruben können wir viel über den Alltag der römischen Legionäre, die Wirtschaftsstruktur des Lagers oder Art und Herkunft der Konsumgüter hier in Haltern lernen”, so die LWL-Archäologin.
Später werden weitere Grabungen im früheren Innenbereich des Lagers folgen. “In der zweiten Grabungskampagne werden wir dann die Frage in den Fokus stellen, wie die Legionäre im Lager lebten”, erläuterte Tremmel, “ein besonderer Höhepunkt wäre es natürlich, ein weiteres Tribunenhaus, so wie wir sie schon Haltern nachweisen konnten, zu finden.” Auf welche Bauten und Funde die Ausgräber stoßen werden, lässt sich im Vorfeld nicht vorhersagen. Und archäologische Überraschungen hat es in Haltern schon einige im Laufe der mehr als 110 Jahre andauernden Grabungstätigkeit gegeben.





