Von Stonehenge und vielen anderen Steinkreisen in Großbritannien ist bekannt, dass sie rituellen Zwecken, aber auch als Marker und Observatorien für bestimmte Himmelsereignisse und Daten dienten. So sind schon die ersten Anfänge von Stonehenge aus der Zeit um 3000 v.Chr. bereits auf den Auf- und Untergang der Sonne zu den Sonnwenden und auf bestimmte Mondstände hin ausgerichtet.
“Ein bemerkenswerter Tempel”
Auch der Megalith-Anlage von Callanish auf der Hebriden-Insel Lewis sagt man nach, spätestens seit der Bronzezeit ein Sonnen- und Mondobservatorium gewesen zu sein. So berichtete noch der römische Geschichtsschreiber Diodorus Siculus im 1. Jahrhundert v. Chr.: “Auf der Insel befindet sich auch ein bemerkenswerter Tempel, der von sphärischer Form ist. … Der Mondgott besucht die Insel alle 19 Jahre und tanzt die ganze Nacht durch von der Frühlings-Tagundnachtgleiche bis zum Aufgang der Plejaden.”
Unklar blieb aber, ob der Steinkreis von Callanish und weitere ähnlich alte Megalith-Anlagen schon bei ihrer Errichtung vor rund 5000 Jahren astronomische Bezüge aufwiesen – und welche Rolle die sie umgebende Landschaft dabei für die Erbauer spielte. Um das zu klären, haben Gail Higginbottom und Roger Clay von der University of Adelaide nun mehr als ein Dutzend Steinkreise im Westen Schottlands und auf den vorgelagerten Inseln untersucht.
Astronomische Bezüge geprüft
Die Forscher konstruierten dafür Modelle der Anlagen und der Landschaft und verglichen diese mit astronomischen Ereignissen wie den Sonnwenden, den Mondwenden und Ähnlichem. Das Ganze werteten sie dann statistisch aus. “Zuvor hat noch nie jemand statistisch belegen können, ob ein Steinkreis tatsächlich auf astronomische Bezüge hin erreichtet wurde oder nicht – es waren alles nur Vermutungen”, sagt Higginbottom.
Die Auswertungen ergaben: Schon in den ältesten Anlagen findet sich eine signifikante Häufung von astronomischen Bezügen. So sind Sichtachsen, hervorstechende Steine oder Öffnungen in den Kreisen oft nach Sonne und Mondzyklen ausgerichtet. Wie die Forscher berichten, galt dies sowohl für Callanish und andere größere Analgen als auch für kleine, über das Land verstreute Steinkreise.
Der Horizont gehört dazu
Doch das eigentlich Spannende zeigte sich, als die Wissenschaftler die Landschaft in ihre Modelle mit ein bezogen. Denn die Position der Anlagen und die Wahl des Ortes erwiesen sich als keineswegs zufällig. “So ist beispielsweise bei einer der Hälfte der Steinkreise der Nordhorizont höher und näher als der südliche”, erklärt Higginbottom. “Dadurch scheint die Sonne bei der Sommersonnwende aus dem höchsten Berggipfel im Nordosten aufzusteigen.”





