Demnach stellen die vorzeitlichen Angelhaken aus Wustermark (Brandenburg) neben verschiedenen Belegen aus Frankreich, Deutschland und Österreich den bisher umfangreichsten Fund an Angelhaken aus dem „Spätpaläolithikum“, der letzten Epoche der Altsteinzeit, in Europa dar. „Bisher glaubte man, dass die Angelhaken als Werkzeug zum Fischfang eine typische technische Errungenschaft der Mittleren Steinzeit (Mesolithikum) waren – die Existenz der Funde aus Brandenburg sind jedoch ein Hinweis dafür, dass das Angeln seine Wurzeln schon in der Späten Altsteinzeit hat“, sagt der Archäologe Bernhard Gramsch. „Wir können im Fall des Angelhakens aus Mammut-Elfenbein zeigen, dass die eiszeitlichen Menschen schon einen subfossilen Rohstoff für technische Zwecke nutzten, denn das Elfenbein weist ein Radiokarbonalter von etwa 19.000 Jahren auf. Erst etwa 7000 Jahre später wurde daraus der Angelhaken hergestellt“, so Gramsch weiter. „Es ist interessant zu sehen, dass die sich ändernden Umweltbedingungen vor zirka 12.300 Jahren die Rentierjäger dazu verleitet haben, schon vor dem Ende der Eiszeit ans Angeln zu denken“, ergänzt Robert Sommer. „Aufgrund der Knochen- und Pollenfunde aus der archäologischen Siedlung wissen wir, dass die Menschen in der ausgehenden Eiszeit schon Gewässer in der Landschaft vorfanden, die eine gute Voraussetzung für das Angeln von Hechten waren. Und das betrieben sie offensichtlich auch intensiv, denn das Auffinden von gleich sechs Angelhaken und zahlreichen Knochenresten von Hechten kann kein Zufall sein.“ Der einmalige Fund dokumentiere deshalb in anschaulicher Weise eine am Ende der Eiszeit erfolgte Wende im ökonomischen Verhalten des Menschen: Die hoch spezialisierten Rentierjäger beginnen mit dem Hechtangeln. „So passten sie sich an die zunehmende Klimaveränderung an“, erläutert Sommer.





