Das Buch ist in zwei Teile gegliedert: In einem begleitenden Essay, der die erste Hälfte des Buches einnimmt, geht die Schriftstellerin ihren eigenen Erfahrungen nach, als sie in diesem Viertel zu DDR-Zeiten lebte, und erzählt damit zugleich seine Geschichte. Bewohner, die sie befragt hat, erinnern sich beispielsweise an alte Kaufmannsläden und an das Schicksal jüdischer Familien unter den Nationalsozialisten. Zeitungsausschnitte regen Liebmann dazu an, über die politische Situation in der DDR nachzudenken. Damit sind im Buch mehrere Zeitebenen dargestellt, die nicht immer klar voneinander getrennt sind. Dies macht die Lektüre leider streckenweise ebenso schwer wie die häufige und oft abrupte Mischung von Zitaten, erlebter Rede und den Überlegungen der Autorin.
Die Fotografien im zweiten Teil des Buches zeigen zerbröckelnde Häuser, Hinterhöfe, vernagelte Schaufenster, nasses Straßenpflaster, Trabis am Straßenrand. Die Spurensuche, die Suche nach Stagnation, Zerfall und Neuem, die Liebmann schon im ersten Teil des Buches betrieb, wird durch die Fotografien noch greifbarer. Zusammen mit dem einleitenden Essay entsteht eine in sich stimmige Darstellung der damals noch „Stillen Mitte von Berlin“.
Rezension: Carmen Fischer





