Wer in Nürnberg im 16. Jahrhundert auf der Suche nach gutem Leder war, der wurde nicht im Zentrum der Stadt fündig, wo beispielsweise viele Goldschmiede ihre Werkstatt hatten, sondern in der Vorderen und der Hinteren Ledergasse südlich der Pegnitz am westlichen Rand der Altstadt. Anstatt nach dem Weg dorthin zu fragen, hätte man vermutlich auch einfach „der Nase nach“ gehen können. Die Lage der Gerber-Werkstätten etwas außerhalb des Stadtzentrums war auch ein Zugeständnis an eine sehr unangenehme Begleiterscheinung dieses Handwerks: den bestialischen Gestank. Der Verwesungsgeruch der den Häuten anhaftenden Fleisch- und Fettreste erschwerte Gerbern und ihren Nachbarn das Leben. Noch 1629 wurde eine Verordnung erlassen, die es jedem Gerber verbot, „Aß für sein Tür [zu] legen“ und dieses nicht mit Mist abzudecken. Die Ausdünstungen des Mists galten bezeichnenderweise bereits als eine Verbesserung.
Dass die Gerber in Nürnberg seit 1506 „allein in beeden Ledergassen und in ihnen selbst eigenen Heußern“ gerben und gegerbte Haut verkaufen durften, ergab sich aber auch aus dem notwendigen Zugang zu einem fließenden Gewässer. In Nürnberg erfüllte diese Aufgabe der die beiden Gassen durchströmende, künstlich umgeleitete Fischbach. Bis 1560 boten im Nürnberger Gerberviertel rund 50 Meister ihre Produktion an, danach sank die Zahl auf zunächst 30, im 18. Jahrhundert dann auf 20. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 06/2013.
Dr. Christine Sauer





