Die Menschenmassen in der sonst als beschaulich geltenden damaligen Hauptstadt zeigten auf beeindruckende Weise das Ende des öffentlichen Konsenses über eine Sicherheitspolitik, die auf der Abschreckung durch Kernwaffen basierte. Mit Plakatsprüchen wie „Macht aus Reagan Leberwurst“ geriet vor allem die Rüstungspolitik der USA ins Fadenkreuz der Demonstranten. Doch wie Coretta Scott King, Witwe Martin Luther Kings, der Menge an diesem Tag verkündete, teilten auch „Millionen Amerikaner“ die Ängste der in Bonn Anwesenden.
Für die Kanzlerschaft Helmut Schmidts war dies gleichsam der Anfang vom Ende. Unter den Protestierenden und ihren Unterstützern fand sich auch die Mehrheit der SPD-Mitglieder wieder, die ihrem Kanzler in der Außen- und Sicherheitspolitik nun die Gefolgschaft verweigerte. Aus Sicht des Bundeskanzlers, der währenddessen in Kairo am Begräbnis des ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat teilnahm, war die Demonstration eine „Kriegserklärung“ an die Verteidigungspolitik der Bundesregierung und an die der NATO.





