Junggesell(inn)enabschied, Polterabend, Standesamt, weißes Brautkleid, Hochzeitskuss und Brautstraußwerfen, bevor es in die Flitterwochen geht? All diese Zutaten einer modernen „Traumhochzeit“ waren im Spätmittelalter selbst in höchsten Kreisen unbekannt. Ehen wurden im Hochadel aus politisch-dynastischen Gründen von den Eltern arrangiert. Und doch erinnern heutige To-do-Listen von Brautpaaren mit Termin- und Budgetplanung, Gäste- und Geschenkelisten, Outfit- und Locationsuche, Menüauswahl und Probeessen, Save-the-Date- und Einladungskarten, Tischordnung und Festprogramm zuweilen an große Fürstenhochzeiten des 15. Jahrhunderts.
Die Hochzeit konstruierte und legalisierte die Beziehung und den gesellschaftlichen Status eines Paares. Für eine gültige Ehe waren nach Kirchenrecht und spätmittelalterlicher Auffassung zwei Punkte wesentlich: das Eheversprechen und der Vollzug der Ehe. Das freiwillige Jawort bildete den Mittelpunkt des christlichen Trauritus, bei dem sich die Brautleute das Ehesakrament selbst spendeten. Der Priester diente dabei nur als qualifizierter Zeuge. Im Spätmittelalter galten Mädchen ab zwölf, Jungen mit 13 oder 14 als verhandlungsfähig. Ab diesem Alter durften sie kirchenrechtlich gültig heiraten. Das galt jedoch nicht für alle: Der Hochadel setzte für sich ein anderes Vorgehen durch und entwickelte im Laufe des 15. Jahrhunderts eigene Standards für Eheanbahnung und Hochzeitsfeiern.





