Es wird Hxaro-Tauschsystem genannt: Durch Besuche und Geschenke pflegen die traditionell lebenden Gemeinschaften der ǃkung-San in der Kalahari-Region soziale Beziehungen zu teils mehrere hundert Kilometer entfernt lebenden Partnergruppen. Diese Netzwerke dienen der gegenseitigen Unterstützung in Notlagen, dem Informationsaustausch und auch der Heiratsvermittlung. Eine Art soziale Währung beim Geschenke-Austausch im Rahmen des Hxaro bilden Ketten aus Perlen, die aus den Schalen von Straußeneiern gefertigt werden.
Im Rahmen ihrer Studie sind die Forscher um Brian Stewart University of Michigan in Ann Arbor nun den Wurzeln dieser Tradition nachgegangen. Die Grundlage bildeten Funde der Schmuckelemente an einem Ausgrabungsort in Lesotho. Einige der Fundstücke wurden auf ein Alter von bis zu 33.000 Jahren datiert. Das besondere Interesse der Forscher weckte der Umstand, dass in der bergigen Umgebung des Fundortes keine Strauße leben und dies wahrscheinlich auch schon früher so war. Somit lag die Vermutung nahe, dass die Schmuckgegenstände einst von weither zum Fundort gelangt sind.
Woher kamen die Straußen-Perlen?
Um ihrem Ursprung nachzugehen, haben die Forscher die Eierschalen-Perlen einer Isotopenanalyse unterzogen: Im Fokus standen dabei die Gehalte an Strontium-87. Wie die Wissenschaftler erklären, spiegelt sich in ihnen wider, wo die Strauße gelebt haben, von denen die Eier stammten. Besonders aussagekräftig ist in diesem Zusammenhang, dass das vulkanisch geprägte Hochland von Lesotho eine bestimmte Strontium-Signatur aufweist, die sich von umliegenden Regionen in charakteristischer Weise unterscheidet. In Kombination mit Informationen über die einstigen Verbreitungsgebiete von Straußen konnten die Forscher somit Rückschlüsse ziehen, wo der Ursprung der Eierschalen-Perlen lag.
Die Forscher kamen zu dem Ergebnis: “Viele der Perlen, die in Lesotho gefunden wurden, haben weite Strecken zurückgelegt”, sagt Stewart. Einige der über 30.000 Jahre alten Stücke stammten demnach aus Regionen, die mindestens 325 Kilometer vom Fundort entfernt lagen. Möglicherweise sind sie sogar in bis zu 1000 Kilometer Entfernung hergestellt worden, geht aus den Analyseergebnissen hervor.
Ein weitreichendes Netzwerk
Auf der Grundlage der Ergebnisse kann man sich somit nun folgende Geschichte der in Lesotho gefundenen Straußen-Perlen vorstellen: Vor etwa 33.000 Jahren fraß ein Strauß in der Karoo-Region Gras, das Strontium aus dem Boden aufgenommen hatte. Diese Atome wurden dann Teil der Schale eines Eis, das der Strauß später legte. Es wurde dann zur Mahlzeit eines Menschen, der anschließend die Schale des Eis in kleine Perlen mit Loch verwandelte. Später wurden sie dann zu einem Geschenk für Freunde, die weit im Osten lebten. Später schenken sie die Perlen wiederum weiter, bis die Schmuckstücke schließlich zu einer entfernten Gruppe gelangten, die hoch in den östlichen Bergen lebte. 33.000 Jahre später haben sie die Archäologen dort dann wiederentdeckt.





