Sie ist eine der neuen „Stromautobahnen“, die der Energiewende dienen sollen: Die Gleichstromverbindung SuedOstLink wird Strom aus dem nordöstlichen Deutschland bis nach Bayern bringen. Die weitestgehend als Erdkabel geplante Trasse wird auf dem Gebiet Sachsen-Anhalts dabei auf einer Länge von 170 Kilometern durch landwirtschaftlich genutzte Areale mit besten Böden führen. Da solche Flächen in der Vergangenheit Menschen stark angezogen haben, liegt nahe, dass alte Siedlungsspuren im Untergrund des Verlaufs der Leitung schlummern könnten. Deshalb führt das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA) momentan bauvorbereitend archäologische Untersuchungen auf der Strecke durch.
Slawische Siedlungsspuren
Das Projekt hat bereits zahlreiche Hinweise auf Relikte aus der Vergangenheit aufgedeckt. Nun rückt das LDA besondere Entdeckungen in den Fokus, auf die das Archäologenteam westlich des Ortes Wettin-Löbejün gestoßen ist. Es handelt sich um die Spuren einer Siedlung samt Gräberfeld, die auf das Früh- beziehungsweise Hochmittelalter datiert und aufgrund der Ära und einiger Fundmerkmale slawischen Bewohnern zugeordnet wurde. Die Funde zeugen somit von der Besiedlungsgeschichte der Region: Es ist bekannt, dass sich seit dem 6. Jh. n. Chr. slawische Stämme, die als Sorben bezeichnet werden, östlich des Flusses Saale niederließen. Auch der Ortsname des heutigen Wettin-Löbejün wird auf die sorbische Sprache zurückgeführt.
Wie die Archäologen berichten, haben sie auf 0,5 Hektar Fläche rund ein Drittel der Gesamtausdehnung der neuentdeckten slawischen Siedlung freigelegt. Sie fanden dort Spuren von Anlagen zur Gewinnung von Eisen aus Erz, zur Metallverarbeitung und Textilherstellung. Außerdem stießen sie auf Überreste der Wasserversorgung und Befestigung der Siedlung. In der früheren Phase war sie demnach von einem vier Meter breiten Umfassungsgraben geschützt. Später bestand die Siedlung dann aber nur noch aus einzelnen Gehöften, die von kleineren, etwa 0,5 Meter breiten Gräben umgeben waren.
Interessante Grabfunde
Das Team konnte auch das zur Siedlung gehörige Gräberfeld vollständig erfassen: Etwa 60 Grabstätten liegen dort in zwei parallelen, Nord-Süd ausgerichteten Reihen. Die Toten wurden nach christlichem Ritus ohne spezielle Beigaben beigesetzt – nur Trachtgegenstände wie Bronzeringe und Perlen wurden gefunden. Es handelte sich meist um sogenannte Kopfnischengräber, die vor allem im 10. bis 12. Jahrhundert üblich waren. Wie die Archäologen berichten, gab es auf dem Friedhof auch zwei besondere Funde: Sie stießen auf eine vergleichsweise aufwendig gestaltete Grabanlage mit komplexen Holzkonstruktionen. Es handelte sich offenbar um ein Familiengrab: Zwei Erwachsene und zwei Kindern wurden darin bestattet.





