Ungewöhnlich sind auch die Begleitumstände dieser Affäre: Mittels anonymer Flugschriften wurden Struensee und seine Reformabsichten am Hof und in der Bevölkerung diffamiert – ein publizistisches Mittel der Einflussnahme auf die öffentliche Meinung, wie es in diesem Ausmaß erst in der Französischen Revolution eine große Rolle spielen sollte.
Die Residenzstadt Celle, gelegen im Regierungsgebiet ihres Bruders König Georg III., wurde nach dem Sturz Struensees Zufluchtsort der dänischen Königin Caroline Mathilde. Von ihren Kindern getrennt, verbrachte die unglückliche geschiedene Königin noch drei Jahre im Celler Schloss, ehe sie im Alter von nur 23 Jahren starb.
In den Räumen, in denen die Königin einst lebte, befindet sich heute eine ihr gewidmete Dauerausstellung. Ergänzend dazu präsentiert das Residenzmuseum nun bis zum Jahresende 27 ausgewählte Flugblätter gegen Johann Friedrich Struensee und Königin Caroline Mathilde. Diese werden mit weiteren Objekten des herausragenden Sammlungsbestandes des Celler Bomann-Museums zum Thema präsentiert und um einige hochkarätige Leihgaben ergänzt. Hierzu gehören ein paar originale Strumpfbänder der Königin (Leihgabe der Königlichen Sammlungen Schloss Rosenborg/Kopenhagen) sowie das Henkerbeil, mit dem Struensee 1772 in Kopenhagen hingerichtet wurde (Leihgabe des Stadtmuseums Halle), dazu mehrere Leihgaben aus Privatbesitz.
Mit dem tragischen Lebensweg Johann Friedrich Struensees ist nicht nur ein Stück europäischer Aufklärungsgeschichte, sondern das Schicksal einer Frau vom Welfenhof im 18. Jahrhundert gleichermaßen verbunden.
Zur Ausstellung erscheint eine Begleitpublikation mit Katalogteil.





