Vom 26. Juni an zeigt das Residenzmuseum im Celler Schloss eine kleine Kabinettausstellung mit politischen Flugblättern der „Struenseeaffäre“ am Kopenhagener Hof 1772. Der Mediziner und große Reformer, der über eine Liebebeziehung mit der dänischen Königin Caroline Mathilde stürzte, wurde in einem Aufsehen erregenden Prozess hingerichtet. Caroline Mathilde lebte anschließend bis zu ihrem frühen Tod 1775 im Celler Schloss. 1768 wurde der Altonaer Arzt Johann Friedrich Struensee (1737-1772), ein aufgeklärter Mediziner und Reformer, an den Hof des geisteskranken dänischen Königs Christian VII. berufen. Sein rascher Aufstieg zum Kabinettsminister führte für kurze Zeit zu einem Ausnahmezustand in Dänemark: De facto regierte Struensee den dänischen Staat. Er besaß das Vertrauen des kranken Königs und gewann nicht zuletzt durch seine Liebesaffäre zur Königin Caroline Mathilde überragende Macht. Im Namen des Königs setzte der Aufklärer Struensee in kürzester Zeit fast 1800 politische und soziale Reformen durch, mit denen er – auf unblutige Weise – bereits zwei Jahrzehnte vor der Französischen Revolution wesentliche Errungenschaften dieser Umwälzung vorwegnahm. Doch sein Aufstieg endete mit einer Palastrevolte und seiner Hinrichtung in Kopenhagen im April 1772, die europaweites Aufsehen erregte.
Ungewöhnlich sind auch die Begleitumstände dieser Affäre: Mittels anonymer Flugschriften wurden Struensee und seine Reformabsichten am Hof und in der Bevölkerung diffamiert – ein publizistisches Mittel der Einflussnahme auf die öffentliche Meinung, wie es in diesem Ausmaß erst in der Französischen Revolution eine große Rolle spielen sollte.
Die Residenzstadt Celle, gelegen im Regierungsgebiet ihres Bruders König Georg III., wurde nach dem Sturz Struensees Zufluchtsort der dänischen Königin Caroline Mathilde. Von ihren Kindern getrennt, verbrachte die unglückliche geschiedene Königin noch drei Jahre im Celler Schloss, ehe sie im Alter von nur 23 Jahren starb.
In den Räumen, in denen die Königin einst lebte, befindet sich heute eine ihr gewidmete Dauerausstellung. Ergänzend dazu präsentiert das Residenzmuseum nun bis zum Jahresende 27 ausgewählte Flugblätter gegen Johann Friedrich Struensee und Königin Caroline Mathilde. Diese werden mit weiteren Objekten des herausragenden Sammlungsbestandes des Celler Bomann-Museums zum Thema präsentiert und um einige hochkarätige Leihgaben ergänzt. Hierzu gehören ein paar originale Strumpfbänder der Königin (Leihgabe der Königlichen Sammlungen Schloss Rosenborg/Kopenhagen) sowie das Henkerbeil, mit dem Struensee 1772 in Kopenhagen hingerichtet wurde (Leihgabe des Stadtmuseums Halle), dazu mehrere Leihgaben aus Privatbesitz.
Mit dem tragischen Lebensweg Johann Friedrich Struensees ist nicht nur ein Stück europäischer Aufklärungsgeschichte, sondern das Schicksal einer Frau vom Welfenhof im 18. Jahrhundert gleichermaßen verbunden.





