Studenten der Universität des Saarlands bereiten die Münzausstellung des Römermuseums in Schwarzenacker bei Homburg, einer der bedeutendsten kulturgeschichtlichen Stätten des Saarlandes, neu auf. Die angehenden Altertumswissenschaftler arbeiten sich tief in die Geschichte der römischen Münzen ein, die viel mehr waren als reines Zahlungsmittel. Das Geld, das aus einer Zeitspanne von rund vier Jahrhunderten stammt, gibt Rückschlüsse auf das Alltags- und Wirtschaftsleben der Römer im heutigen Saarland und in ganz Europa. Ab 15. März soll die Ausstellung den Besuchern des Museums offen stehen. Als die Inflation drohte, griff im antiken Rom der Staat ein. Mit festgelegten Höchstpreisen für Waren und Dienstleistungen sollte die Bevölkerung wieder Vertrauen in das europaweit verbreitete Geld gewinnen. Letzten Endes war das aber wirkungslos; dem wirtschaftlichen Niedergang folgte ein politischer. Dieses Preisedikt, das aufgrund der Eurokrise geradezu aktuell zu sein scheint, stammt vom römischen Kaiser Diokletian aus dem Jahr 301 n. Chr. Es hatte nicht die gewünschte Wirkung und verpuffte schlussendlich. Das schlägt sich auch in der Währung nieder: „Die Münzqualität wird immer schlechter, je weiter das Römische Reich zeitlich voranschreitet“, berichtet Lisa Hovenbitzer über den Wertverfall der Münzen in der Spätantike. Sie ist eine von acht Studentinnen und Studenten, die die dauerhafte Münzausstellung im Römermuseum Schwarzenacker überarbeiten. Unter der Anleitung von Susanne Börner vom Institut für Alte Geschichte der Saar-Uni und dem Archäologen Thomas Kreckel vom Römermuseum. nehmen sie Münzen aus verschiedenen Jahrhunderten genau in Augenschein.
Bis dato sind die Münzen im Römermuseum Schwarzenberg (http://www.roemermuseum-schwarzenacker.de/) in Schaukästen zu sehen, bei denen die Besucher einen gewissen Abstand zu den Jahrtausende alten Zahlungsmittel halten müssen. „Wir möchten die Münzen in Plexiglasscheiben einfassen, die wir wie eine Art Hängetableau an der Wand befestigen möchten. So können die Besucher die Münzen ‚durchblättern’. Schließlich muss man nahe ran, um die wichtigen Details und beide Seiten zu erkennen“, erklärt Studentin Heike Schröder.
Aus diesen Details lesen die angehenden Expertinnen und Experten eine ganze Menge Fakten über die Zeit. „Münzen sind wahre Informationsquellen. Werden sie zu einer Zeit geprägt, in der ein Kaisersohn geboren wurde, sehen sie ganz anders aus als Münzen, die zu Kriegszeiten oder während einer schlimmen Epidemie geprägt worden sind“, erklärt Lisa Hovenbitzer. „Münzen waren auch immer Mittel staatlicher Propaganda. Manche Kaiser ließen sich als Soldaten abbilden. Andere Kaiser sind eher naturgetreu dargestellt. Nero zum Beispiel hatte ein ausgeprägtes Doppelkinn auf den Münzen mit seinem Abbild. Wie seines sind die Abbilder einiger Kaiser wohl nur wenig idealisiert“, sagt die Studentin.
Anhand der Münzen können die Wissenschaftler auch Rückschlüsse auf Handelswege und Wirtschaftsstrukturen des Römischen Reiches gewinnen. „Ähnlich wie heute der Euro in den einzelnen Mitgliedsländern der Währungsunion geprägt wird, wurden in der Spätantike auch Münzen in dutzenden Stätten in ganz Europa geprägt, zum Beispiel in Trier, Lyon und Arles“, führt Archäologe Thomas Kreckel aus. Je nach Häufigkeit der Münzen aus den verschiedenen Prägestätten können die Wissenschaftler nachvollziehen, auf welchen Wegen die Waren innerhalb des Imperiums gehandelt wurden.





