Otto Dix hat seine Kinder Nelly, Ursus und Jan häufig porträtiert. Diese Kinderbilder sind im Stuttgarter Bestand mit besonders wichtigen Gemälden wie »Neugeborenes auf Händen« (1927), »Ursus sitzend« (1931) oder »Nelly mit Spielzeug« (1925) vertreten. Jedoch existieren nur zwei Doppelporträts, von denen das Werk »Spielende Kinder« von größerer Bedeutung ist. Auf dem 72 mal 93 Zentimeter großen Gemälde balgen sich Nelly und Ursus ausgelassen auf dem Boden. 1929 in Dresden gemalt, gehört das Werk zur zentralen Schaffensperiode des Künstlers. Ebenfalls 1929 entstand beispielsweise »Nelly mit Puppe II«, ein Jahr zuvor vollendete Dix das berühmte »Großstadt«-Triptychon.
Dass es nun mit einstimmiger Zustimmung des Gemeinderats gelingt, dieses zentrale Gemälde zu sichern, ist für Museumsdirektorin Ulrike Groos ein wichtiges Signal für die Zukunft der Stuttgarter Kunstsammlung: »Für das Kunstmuseum ist dieser Ankauf von ganz besonderer Bedeutung, denn Stuttgart beweist damit die notwendige Entschlossenheit zur Weiterentwicklung des Kunststandorts Stuttgart. Dies ist gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten keine Selbstverständlichkeit.« »Spielende Kinder« zeigt die beiden ältesten Kinder von Otto und Martha Dix, Nelly und Ursus, auf einem sogenannten Van Eyck-Teppich. Diese Bezeichnung für eine bestimmte Art von vorderasiatischen Wollknüpfteppichen rührt daher, dass sie bereits auf Werken Jan van Eycks, dem Hauptmeister der burgundisch-niederländischen Malerei des 15. Jahrhunderts, mit vorher unerreichter Exaktheit und Brillanz wiedergegeben wurden. Otto Dix knüpft in seiner Malerei ganz bewusst an solche Altmeisterlichkeit an. Das in vielen Öllasurschichten über einer Untermalung in Tempera aufgebaute Werk zeigt den Künstler auf der Höhe seines malerischen Könnens.





