Mit dem Buch des Essener Historikers Christoph Marx liegt nun eine moderne, die neueste internationale Forschung berücksichtigende Überblicksdarstellung vor. Diese ist notwendig geworden, da insbesondere das Ende der Apartheid die Aufhebung zahlreicher Restriktionen für die Archivnutzung und den allmählichen Abbau von Denktabus geführt hat und so eine Fülle neuer Fragestellungen, aber auch Antworten entstanden sind. Marx ist sicherlich der beste deutsche Kenner der südafrikanischen Geschichte, und er nimmt seine Leser mit auf eine Reise, die weit vor Ankunft der ersten europäischen Seeleute gegen Ende des 15. Jahrhunderts beginnt.
Die Fehler der Apartheid-Historie oder einer lange Jahre gepflogenen eurozentrischen Kolonialgeschichtsschreibung vermeidend, schreibt Marx die Geschichte nicht ausschließlich aus europäischer Sicht. So steht nicht nur die Ausbildung der niederländischen Kapkolonie, deren Übernahme durch Großbritannien 1806, die Gründung der „Burenrepubliken“ im Landesinneren (allen voran der Transvaal und der Oranje-Freistaat) und die sich daraus ergebenden Kriege und Konflikte (Burenkrieg, 1899 – 1902) im Mittelpunkt, sondern Marx versucht, wo immer es die Quellen zulassen, die Geschehnisse auch aus afrikanischer Perspektive zu erzählen.
Südafrikas Entwicklung wird aus seiner Sicht völlig zu Recht zu einer Geschichte sich wechselseitig beeinflussender Reichsbildungen und konkurrierender Nationalismen. Er geht auch auf die Brüche durch eine rapide Industrialisierung des Landes seit dem Ende des 19. Jahrhundert ein. So liefert Marx keine zweckorientierte Geschichtsschreibung, sondern eine sorgfältige Analyse kultureller, politischer und sozialer Prozesse in einem der komplexesten Gemein‧wesen der Welt. Das Buch ist nicht nur für alle an Südafrika Interessierten zu empfehlen.
Rezension: Prof. Dr. Jürgen Zimmerer





