Vor einigen Jahren entschied sich die Kleinstadt im Zabertal, die rund 20 Kilometer von Heilbronn entfernt liegt, ihr ausgedientes Rathaus aus dem 19. Jahrhundert zu sanieren und in ein Römermuseum umzugestalten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das im April 2008 eröffnete Museum bietet auf seinen drei Stockwerken einen großflächigen Ausstellungsraum, der sich in vielfältiger Weise den Themen derprovinzialrömischen Forschung widmet. Neben einer umfangreichen Dauerausstellung und einem Café, verfügt es über einen Raum für Sonderausstellungen, in welchem noch bis zum 30. November 2009 die Tübinger Wanderausstellung zum Hildesheimer Silberschatz mit galvanoplastischen Nachbildungen der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) gezeigt wird.
Bereits im Foyer des Museums verweisen Inschriften und einige andere Steinfragmente auf die typischen römischen Hinterlassenschaften der Region. Im Umfeld dieser Objekte wird anhand textreicher Wandtafeln in die römische Besiedlung Südwestdeutschlands eingeführt. Neben dem allgemeinen geschichtlichen Hintergrund, Fragen zu voriger Siedlungskontinuität und imperialer Verkehrszusammenhänge, wird die weit verbreitete Siedlungsform der ländlichen Gutshöfe erläutert. Dabei fällt der allgemeine Blick inhaltlich stets zurück auf das Zabergäu und auf seine mitunter herausragenden Gegebenheiten. Beispielsweise wird ein besonders großes und luxuriöses Landgut mit außergewöhnlichen Funden vorgestellt, dass in dem Güglinger Teilort Frauenzimmern ausgegraben wurde.
Eindrücklich ist am Beginn der Dauerausstellung der behutsame Bezug auf die archäologischen Spuren, aus denen sich die dargebotenen Informationen erschließen lassen. Deutlich wird das Zugeständnis der provinzialrömischen Archäologie, dass im ländlichen Raum durch die moderne Landwirtschaft viele Überreste des Römischen Daseins weitgehend zerstört wurden. So bestehen die Objekte des Einführungsfoyers mitunter aus den häufig nur noch vorhandenen Fundamenten eines römischen Hauses. In mehreren Schubladen und Vitrinen wird zudem so genanntes „Lesefundmaterial“ gezeigt. Dies besteht vornehmlich aus unaussagekräftigen, fragmentierten und unvollständigen Objekt-Kleinteilen, die in ländlichen Regionen am häufigsten vorzufinden sind. Doch es wird auch vorgestellt, wie Funde durchaus einem Zusammenhang klar zugeordnet werden können und wie sich trotz der Zerstörung, ein nachvollziehbares Bild der damaligen Kultur zeichnen lässt.
In dem gewonnenen Bewusstsein, dass vornehmlich Fundamente und daher die unteren Geschosse früherer Bebauung in ländlichen Grabungen zu erkennen sind, beginnt anschließend der Rundgang mit einem aus Originalteilen rekonstruierten römischen Kellerraum. Erläuterungen zu damaligen Speisen und Behältnissen ergänzen dieses Themenfeld. Im ersten Stockwerk bekommt dann der Besucher einen Film zu sehen, in dem das angenommene Siedlungsvorkommen in der Zaber-Region anhand einer Videorekonstruktion anschaulich erläutert wird. Im Film und anhand eines Modells wird gezeigt, dass Güglingen etwa seit der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts eine kleinstädtähnliche Bebauung (Vicus) besaß, die umgeben war von mehreren Landgütern. Der Veranschaulichung des vor allem von Handwerkern und handeltreibenden Bewohnern geprägten Vicus folgt im nächsten Raum eine große Rekonstruktion einer Marktstraße mit Porticus – einem typischen Gebäude, in dem zur Marktstraße hin durch einen großen Klappverschlag Waren angeboten wurden. Nach einer Erläuterung des römischen Bäderwesens und der Wasserversorgung des Güglinger Vicus entlang der Straße, führt der Weg weiter hinter die Mauern des Ladenhauses direkt in die alltagsgeschichtliche Welt der römischen Zeit.





