Der Hohenasperg war stets ein Symbol für die Macht der Herrschenden. Durch seine exponierte Stellung auf dem Berg weithin sichtbar, ermahnte dieses Zeichen der Staatsgewalt doch stets dazu, nicht aufzubegehren – sonst würde man selbst dort in Ketten gelegt. Schnell verbreiteten sich für den Hohenasperg Namen wie „Schicksalsberg“ oder „Hausberg der schwäbischen Intelligenz“. Friedrich Schiller trug den Ruf der Festung über die Grenzen Württembergs hinaus. War er doch aus Furcht, dort eingesperrt zu werden, aus dem Land geflohen. Zuvor hatte er zusehen müssen, wie dieses Schicksal seinen Freund Christian Friedrich Daniel Schubart ereilte. Der Dichter ist der wahrscheinlich berühmteste Häftling des Hohenaspergs.
Anhand von 22 ausgewählten Gefangenen-Biographien zeigt das neue Museum nun die Geschichte des Festungsgefängnisses. Bewusst haben die Kuratoren die Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Besonders interessant ist dabei die Auswahl der Beispiele. Vertreten sind sowohl prominente als auch bislang unbekannte Namen. Die Persönlichkeiten stammen dabei aus drei Jahrhunderten. Das Spektrum reicht vom 1738 verurteilten und hingerichteten Joseph Süß Oppenheimer bis zu Günter Sonnenberg, dem RAF-Mitglied, das 1977 auf den Hohenasperg verbracht wurde.
Die Charaktere sind dabei höchst unterschiedlich, die Einzelschicksale spannend. Indem die Ausstellung die Menschen in den Vordergrund stellt, vermittelt sie den Besuchern nicht nur die historischen Hintergründe zu den Insassen, sondern gewährt zudem Einblicke in deren Innenleben.
Wie grundverschieden die Insassen waren, verdeutlicht der Umstand, dass sowohl Opfer als auch Täter der Nationalsozialisten in Hohenasperger Gefängniszellen saßen. Zwischen 1933 und 1945 sperrte der NS-Staat viele seiner Opfer dort ein. Darunter Politiker unterschiedlicher Couleur: der Kommunist Walter Häbich ebenso wie Eugen Bolz von der katholischen Zentrumspartei. 1940 nutzte das Regime den Hohenasperg zwischenzeitlich als Deportationslager für die südwestdeutschen Sinti und Roma. Einer davon war der damals 15-jährige Hermann Weiß, dessen Geschichte nun Teil der Ausstellung ist. Nach dem Krieg dagegen traf es einen der Täter: den SS-Kommandeur Karl Jäger. Als Kopf des SS-Einsatzkommandos 3 hatte er die Ermordung von 137.000 litauischen Juden organisiert. 1959 ließ ihn die bundesdeutsche Justiz nach Asperg bringen. Einige Monate später fanden ihn die Wärter erhängt in seiner Zelle auf.
Einen Schwerpunkt setzt die Ausstellung allerdings auf die Zeit des Vormärz und der Revolution von 1848. Nach dem gescheiterten Umsturz saßen auf dem Hohenasperg besonders viele politische Gefangene ein. Diese Jahre prägten wie kaum eine andere Epoche den Ruf der Festung als Symbol der Unterdrückung. Somit verwundert es nicht, dass sieben der 22 vorgestellten Personen „48er“ sind. Zu ihnen gehören etwa Fürst Constantin von Waldburg-Zeil, Gottlieb Rau oder Theobald Kerner.





