In einem einführenden Teil stellt die Autorin den wirtschaftlichen Druck dar, unter dem die Transatlantik-Linien um die Jahrhundertwende standen, erklärt die Titanic zum Mikrokosmos der Gesellschaft und beschreibt die Protagonisten unter Passagieren und Besatzung. Ab dem vierten Kapitel wird die Jungfernfahrt der Titanic an sich erläutert: Das Auslaufen des Schiffes, das Leben an Bord, dann die Kollision mit dem Eisberg, die Katastrophe und die Rettung. Ein letzter Teil beschäftigt sich mit dem Mythos Titanic wie den verschiedenen Deutungen des Untergangs, den Verfilmungen und dem Titanic-Kult. Die Autorin schließt mit den Gedanken, dass die historische Titanic mittlerweile in den Hintergrund gerückt ist, dass aber die mythische Titanic als Sinnbild für die unzähligen menschengemachten Katastrophen unsinkbar sei.
Koldau schildert die Geschichte der Titanic und ihrer Legenden in einem flüssigen und packenden Stil. Sie zeigt auf, welche realen Anknüpfungspunkte für Legenden, Filme und Romane genutzt wurden und bietet so neben dem Tatsachenbericht auch eine Kulturgeschichte des Geschehens. Man liest ihr Buch wie einen guten Roman, verliert sich in den Geschichten der Personen, bewundert Helden und schüttelt den Kopf über Größenwahn und Ungerechtigkeit. Genau deshalb ist der Versuch der Autorin, Fiktion und Wirklichkeit auseinander zu halten, vielleicht nicht ganz gelungen. Zu nah kommen einem die Menschen der Titanic, so dass das Buch eher zur Legende beiträgt, als sich von ihr frei zu machen. Trotzdem ist “Titanic. Das Schiff, der Untergang, die Legenden“ zu empfehlen, denn es ist wunderbar zu lesen!
Rezension: Jette Nagel





