Als Kaiser Constantius II. im Jahr 361 auf einem Feldzug in Kilikien starb, hatte er angeblich zuvor seinen Widersacher Julian zu seinem Nachfolger bestimmt. Der neue Kaiser, ein Neffe Konstantins des Großen, war zwar christlich erzogen worden, doch neigte er schon früh der heidnischen Kultur zu. Er zog Homer und die Vorlesungen der griechischen und römischen Gelehrten der Bibelkunde und den Predigten der Bischöfe vor. Dabei hatten die Kaiser seit Konstantin durchgehend das Christentum begünstigt, das so in den 50 Jahren nach dem Ende der Christenverfolgungen immer einflußreicher geworden war. Julian vollzog nun eine Kehrtwende zum alten olympischen Götterglauben. Mit großer Ernsthaftigkeit versuchte er, den antiken Polytheismus mit der neuplatonischen Philosophie und Aspekten der christlichen Ethik zu verbinden, um so das Heidentum für die Zukunft zu wappnen. Er ließ die zuvor zerstörten Tempel wiederaufbauen (Restitutionsedikt), hob die Privilegien der Kirche auf und verdrängte die Christen aus den Rhetorenschulen.
Die Reaktion auf Julians plötzlichen Tod im Jahr 363 war zwiegespalten. Während die Christen über den Tod des Kaisers jubelten, trauerten die heidnischen Gelehrten und Senatoren um den letzten, der sich ihrer angenommen hatte. Ahnungsvoll schreibt der Rhetor Libanios: „So wie Hektors Tod das Ende Trojas ankündigt, so weist der Tod Julians voraus auf den Untergang Roms.“





