von PHILIPP GASSERT
Als in der Bundestagswahl 1957 die Unionsparteien mit der Parole „Keine Experimente“ die absolute Mehrheit der Stimmen errangen, wirkte dies wie ein erfolgreiches Plebiszit über den Gründervater und Patriarchen der Republik, Konrad Adenauer. Dieser dominierte die bundesdeutsche Politik wie nach ihm kein zweiter Kanzler. Daher ist er zurecht der einzige, nach dem eine ganze Epoche in der Geschichte unseres Landes benannt wird. Auch Willy Brandt, Helmut Kohl oder Angela Merkel waren Deutschland prägende Figuren. Aber sie konnten das Schicksal der BRD nicht in der Weise bestimmen, wie Adenauer in den ersten Legislaturperioden. Dies hatte mit den außergewöhnlichen Umständen seiner Kanzlerschaft zu tun. Es gab Gestaltungsspielräume, vieles musste neu erschaffen werden. Zugleich standen die 1950er Jahre im Zeichen einer gesellschaftlichen Suche nach Halt und Verlässlichkeit, kurz nach dem katastrophalen Krieg und dem deutschen Absturz in Diktatur und Völkermord. In Umbruchzeiten verkörperte Adenauer Kontinuität und Stetigkeit in der Politik.





