Seit der Züricher Uraufführung des Theaterstücks im Dezember 1946 hatten diverse namhafte Charakterdarsteller die ambivalente Figur des Fliegergenerals Harras auf deutschen Bühnen gegeben, Gustav Knuth, Martin Held und O. E. Hasse zum Beispiel. Und so waren die Feuilletonisten denn skeptisch, als Regisseur Helmut Käutner in seinem Film die Rolle Curd Jürgens gab, der einem breiten Publikum vor allem durch seine Auftritte in leichtgewichtigen Unterhaltungsfilmen sowie aus den Klatschkolumnen der Illustrierten bekannt war.
Der Protagonist des Zuckmayerschen Stücks – angelehnt an die Biographie des Luftwaffengene?rals Ernst Udet – ist Jagdflieger aus Leidenschaft, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht und in Görings Luftwaffe eine glänzende Karriere macht. Die jüngeren Flieger sind ihm treu ergeben, und da er den Nazis mit abnehmendem Kriegsglück weiterhin unentbehrlich ist, kann er es sich sogar leisten, regimekritische Witze zu reißen und seine Verachtung für einen beschränkten „Kulturleiter“ aus dem Propaganda?ministerium offen zu zeigen. Als jedoch wiederholt defekte Flugzeuge die Produktion verlassen, für die Harras die Verantwortung trägt, gerät er unter Druck. Nach dem Absturz seines Freundes Eilers sucht er nach einem Saboteur und entdeckt ihn in seinem engsten Vertrauten, dem Chefingenieur Oderbruch. Der will dazu beitragen, daß der Wahnsinn des Krieges so schnell wie möglich zu Ende geht, und wirft Harras vor, durch sein Mitmachen den Tod von Millionen zu verschulden. Doch statt sich dem Widerstand anzuschließen, will der einsichtige Harras nun sühnen: „Wer auf Erden des Teufels General wurde und ihm die Bahn gebombt hat – der muß ihm auch in der Hölle Quartier machen.“ Mit seinem Flugzeug stürzt er sich in den Tod. Er deckt dadurch die Widerständler, kann aber nicht verhindern, daß das Regime seinen Absturz als Ausdruck von Pflichterfüllung ausgibt und mit einem Staatsbegräbnis vereinnahmt.
Käutner verteidigte seine Wahl von Curd Jürgens damit, daß er für den Harras einen Schauspieler ohne intellektuelle Ausstrahlung gesucht habe, einen, dem man den Draufgänger und Frauenhelden glaubte, „keinen Herrn“ und „keinen Helden“. Tatsächlich ist der General in der Ver?filmung oberflächlicher, häufiger betrunken, und seine neueste, zarte und – wie dem Zu?schauer suggeriert wird – erstmals „wahre“ Liebe zu der mädchenhaften Debütantin Diddo Geiss (Marianne Koch) wird viel breiter ausgespielt. Ein sinnenfroher Haudegen ist die Titelfigur auch in Zuckmayers Stück, doch zeigt Harras sich dort in den genregemäß viel längeren Dialogen zugleich als Literaturkenner, ist mit einem expressionistischen Künstler und einem amerikanischen Journalisten befreundet und bricht nicht nur gelegentlich in poetische Visionen und fünfhebige Jamben aus, sondern zeigt sich darüber hinaus intellektuell einer Erörterung des moralischen Konflikts gewachsen, in den er sich selbst manövriert hat. Trotz der Vorwürfe, die andere Figu-ren auf der Bühne gegen ihn erheben, erscheint der Theater-General in der Schlußapotheose eher wie ein antiker tragischer Held, der sich dem unausweichlichen Schicksal fügt, und nicht wie einer, der sich selber richtet, weil er Komplize eines verbrecherischen Regimes und Krieges geworden ist.





