„Die Universität Bielefeld verliert mit Hans-Ulrich Wehler eine ihrer größten Persönlichkeiten“, zeigte sich Rektor Gerhard Sagerer tief betroffen. „Wir haben einen außerordentlichen Wissenschaftler verloren, der mit seinen bahnbrechenden und wirkungsreichen Publikationen Generationen von Historikern geprägt hat.“
Wehler hatte mit seinen sozialwissenschaftlich und theoretisch fundierten Forschungsansatz die Geschichtswissenschaft der Bundesrepublik Deutschland entscheidend beeinflusst und war maßgeblich am Aufbau der Fakultät für Geschichtswissenschaft der Universität Bielefeld beteiligt. Mit den weltweiten positiven Renommees seiner Standartwerke zur Sozial- und Gesellschaftsgeschichte trug Wehler entscheidend zum internationalen Ruf der Universität Bielefeld bei, deren Ehrensenator er seit 2004 war. „Hans-Ulrich Wehler hat damit neue Standards in die Disziplin eingeführt. Mit ihm verlieren wir nicht nur einen beeindruckenden Wissenschaftler, sondern auch einen Kollegen, der am Leben der Abteilung bis Freitag vergangener Woche regen Anteil genommen hat“, betont Angelika Epple, die Dekanin der Fakultät.
Große Aufmerksamkeit weit über die Grenzen der Wissenschaft hinaus erregte Hans-Ulrich Wehler mit seiner von 1987 bis 2008 erschienenen fünfbändige “Deutsche Gesellschaftsgeschichte”, die die Zeit von 1700 bis 1990 abdeckt. Seine Rolle als Historiker verstand Wehler – auch aufgrund seiner eigenen Erfahrungen in der NS-Zeit – als die eines kritischen Kommentators der gesellschaftlichen Verhältnisse. Erst 2013 setzte er sich in seinem Werk „Die neue Umverteilung“ mit der immer stärker werdenden sozialen Ungleichheit in Deutschland auseinander.
Für seine Leistungen erhielt Wehler zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. Unter anderem erhielt er als einer von wenigen Geisteswissenschaftlern im Jahre 2004 die Helmholtz-Medaille, die höchste wissenschaftliche Auszeichnung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, und 2006 wurde er zum Ehrenmitglied der American Academy of Arts & Sciences ernannt.





