Hans Deis kam am 22. Juli 1923 als Sohn von Henriette und Oskar Deis in Bamberg zur Welt. Wie die meisten jungen Männer seiner Generation nahm er am Zweiten Weltkrieg teil. Seit Juni 1944 galt er als in Russland vermisst. Seine über den Verlust ihres einzigen Kindes untröstlichen Eltern leiteten bereits in den 50er Jahren die Gründung einer Stiftung zu seinem Gedenken ein. Ihre eigene Altersversorgung und ihren persönlichen Lebensstil ordneten sie diesem Ziel unter. Nach dem Tod von Henriette Deis im Jahr 1978 wurde auf Basis des gemeinsamen Testaments die „Hans Friedrich Oskar Deis – Gedächtnisstiftung“ ins Leben gerufen. Zu den Aufgaben der Stiftung gehört unter anderem der Erwerb von Objekten kulturell bedeutender Gegenstände für die Museen der Stadt Bamberg und die Einrichtung von Schauräumen mit wertvollen Objekten der Stiftung.
Zum Nachlass zählen Barock- und Biedermeiermöbel, Gemälde, Textilien, Geschirr und viel Tafelsilber. Bei der Einrichtung der Ausstellung zur Bürgerkultur im Historischen Museum Bamberg wurde aus Beständen der Stiftung ein Biedermeierzimmer eingerichtet.
Der neu gestaltete Ausstellungsraum möchte der Bedeutung dieser einmaligen Stiftung und dem mit ihr verbundenen herausragenden bürgerlichen Engagement Rechnung tragen und versteht sich als Erweiterung der bisherigen Ausstellung zur Bürgerkultur in Bamberg im 19. Jahrhundert, die seit 1997 mit wechselnden Ergänzungen im Nordwestflügel der Alten Hofhaltung gezeigt wird.
Die Präsentation geht anhand fünf großer Gemälde von Hans Schlereth auf die Familie Deis als Bamberger Bürger und Stifter ein. Im Zentrum des Raumes nimmt eine große Mittelvitrine Objekte auf, die die Beziehung der einzelnen Familienmitglieder zu Hans Deis und die Entstehungsgeschichte der Stiftung vertiefen. Der Schmerz über den Verlust des Sohnes wird an einer Monstranz sichtbar, in der die Eltern das Bild ihres Sohnes und seinen letzten Brief wie eine Reliquie aufbewahrten.
Neben der Familie wird die Bedeutung der Stiftung sichtbar gemacht. Zwei Vitrinen geben Einblick in die Sammlung alter Möbel und das umfangreiche Familiensilber, das vom feinen Tafelbesteck über Kaffeeservice bis zu Zigarettenspitze und Schuhlöffel auch viele Gegenstände des alltäglichen Bedarfs umfasst. „Auch für mich“, sagt Claudia Schelbert, die neue Stiftungsmanagerin der Stadt Bamberg, „ist es sehr interessant, wenn die Ergebnisse aus dem Stiftungswesen auf so schöne Weise präsentiert werden.“ So sieht man in zwei Vitrinen exemplarische Ankäufe, die bisher mit den Geldern der Stiftung getätigt werden konnten. Präsentiert wird ein sehr wertvolles Porzellanbild von Andreas Blattner aus dem Schmidtschen Porzellaninstitut in Bamberg sowie die jüdische Kultgegenstände, die 1990 für die künftige Judaica-Ausstellung erworben werden konnten.





