1709 verließ den schwedischen König das Glück auf dem Schlachtfeld. Bei Poltawa in der heutigen Ukraine rieb Zar Peter I. fast die komplette Armee Karls XII. auf. Dieser musste daraufhin nach Süden ins Osmanische Reich flüchten.
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Im Jahr 1708 war der schwedische König Karl XII. auf dem Höhepunkt seiner Macht: Er hatte Dänemark und Sachsen bezwungen, riesige Teile Polens erobert und das Russland Peters I. in mehreren Schlachten geschlagen. Die schwedische Vorherrschaft im Ostseeraum war nicht mehr bedroht, sondern befand sich ganz im Gegenteil auf dem Scheitelpunkt ihrer räumlichen Ausdehnung.
Noch aber wollte Karl XII. nicht nach Stockholm zurückkehren. Seine Hauptstadt, die er in den letzten acht Jahren des Konflikts nicht betreten hatte, musste weiter ohne ihn auskommen: Erst wollte der schwedische König Peter I. zu einer Kapitulation zwingen und sich mit dessen Eingeständnis einer Niederlage zum uneingeschränkten Sieger aufschwingen.
Doch die Russen verweigerten eine Entscheidungsschlacht und zogen sich nach Osten zurück. Da traf es sich, dass mit Iwan Masepa, dem Hetman (Oberhaupt) der auf dem Gebiet der heutigen Ukraine lebenden Kosaken – freie ostslawische Wehrbauern, die sich in Reiterverbänden organisierten –, ein potentieller Verbündeter bei den Schweden um Kontakt nachsuchte.
Schon aufgrund ihres am Dnjepr gelegenen Siedlungsgebiets hatten sich Masepas Männer in militärischen Konflikten stets zwischen Polen und Russland entscheiden müssen. Im bisherigen Verlauf des aktuellen Kriegs waren sie an der Seite von Peter I. in den Kampf gegen Schweden gezogen – und mussten Niederlagen und hohe Verluste hinnehmen.
Ein neuer Verbündeter beeinflusst das Kalkül der Schweden
1708 sah Masepa die Chance für einen Seitenwechsel, denn der vermeintlich unbesiegbare Karl XII. schien Russland entscheidend in die Schranken weisen zu können, was auch der Sache der Kosaken dienen würde. Zudem war der Schwedenkönig tatsächlich in dieser Region, dem Nordosten der heutigen Ukraine, auf der Suche nach Verbündeten, da er Peters Armee endgültig vernichten wollte.
Die Generäle Karls XII. hatten zuvor für den direkten Marsch auf Moskau plädiert, aber mit Masepa an der Seite, der neue Soldaten und reichhaltigen Nachschub anbot, schien aus Sicht des schwedischen Königs plötzlich mehr für eine sofortige Konfrontation zu sprechen.
Im Oktober 1708 wurde Masepas bereits seit einigen Monaten vorbereiteter Seitenwechsel ruchbar. Lediglich etwa 6000 Kosaken folgten ihm, denn es war absehbar, dass die russische Reaktion unmittelbar und hart sein würde. Kosakenoffiziere, die Peter treu ergeben waren, wählten noch im November Iwan Skoropadskyj zum neuen Gegen-Hetman. Zudem erreichten russische Truppen Baturyn, die 200 Kilometer östlich von Kiew gelegene Hauptstadt Masepas, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits bei der schwedischen Armee aufhielt. In der alten Holzfestung waren 8000 kosakische Soldaten stationiert. Doch eine erfolgreiche Verteidigung gegen die zahlenmäßig weit überlegenen russischen Einheiten war nicht möglich.
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Was folgte, war ein Massaker an Einwohnern und Soldaten, das dank umfangreicher archäologischer Grabungen in jüngster Zeit gut dokumentiert ist. Umstritten sind die genauen Opferzahlen, die zwischen 10 000 und 15 000 Toten schwanken. Peter notierte voller Zufriedenheit in seinem Tagebuch: „Die Stadt Baturyn wurde ohne größere Verluste eingenommen … und wir töteten den Rest und brannten die Stadt nieder mit allem darin und zerstörten sie bis zu den Grundmauern.“ Noch zwei Jahrzehnte später galt Baturyn als eine verwüstete Geisterstadt.
Für die Schweden bedeutete diese Niederlage, dass sie in der Ukraine nun wieder weitgehend auf sich allein gestellt waren. Zudem gelang es den Russen, schwedische Nachschublieferungen zu unterbinden. Schon das waren keine guten Voraussetzungen fürs Winterquartier, und der Jahrtausendwinter 1708/09 (siehe Artikel Seite 28) machte alles noch schlimmer. In der Armee Karls XII. sollen allein in einer Nacht 2000 Menschen erfroren sein.
Dennoch wollte sich Karl auch im Frühjahr 1709 nicht nach Westen zurückziehen. Stattdessen ließ er seit Anfang April die Festung Poltawa belagern, etwa 350 Kilometer östlich von Kiew gelegen und mit über 4000 dort stationierten gegnerischen Soldaten durchaus ein nennenswertes Ziel. Karl hoffte vor allem auf einen Entsatzversuch der Russen, den er zu einer entscheidenden Schlacht nutzen wollte.
Und tatsächlich zog Peter I. am Ostufer des Flusses Worskla etwa 50 000 Mann zusammen, 58 Infanteriebataillone und 17 Kavallerieregimenter, die Ende Juni den Fluss überquerten und acht Kilometer nördlich von Poltawa ihr Lager aufschlugen. Karl XII. wiederum hatte gut 24 000 Soldaten bei sich, von denen etwa 16 000 an der eigentlichen Schlacht teilnehmen sollten. Die restlichen, tendenziell deutlich weniger kampfkräftigen Einheiten bewachten den Tross und setzten die Belagerung der Stadt fort.
Der König war sich der zahlenmäßigen Überlegenheit der Russen, die zudem weitere Verstärkungen erwarteten, sehr wohl bewusst. Doch bislang hatte keine schwedische Armee unter Karls direkter Führung eine Schlacht verloren. Den russischen Gegner hielt er auch diesmal nicht für besonders gefährlich, er erwartete einen klaren, eindeutigen Sieg.
Peter positioniert seine Truppen äußerst geschickt
Eine wesentliche Voraussetzung dafür war die planvolle Aufstellung der Truppen, deren präzise Formierung meist Stunden dauerte. Doch ein derartiger Aufmarsch war den Schweden diesmal nicht möglich. Peter hatte sein Lager so angelegt, dass der Zugang aus Richtung Poltawa nur zwischen zwei Wäldern hindurch möglich war. Für eine breit aufgestellte Infanterielinie war der Durchlass zu schmal.
Außerdem hatten die Russen die Engstelle mit mehreren Redouten im Abstand von 150 bis 170 Metern gesichert, also Karrees mit etwa 50 Metern Seitenlänge, mit kleineren Holzwällen und einem Graben. Das waren keinesfalls unüberwindbare Hindernisse, aber dennoch mussten die schwedischen Soldaten zunächst an den ersten vier Redouten vorbeimarschieren, bevor sie eine Linie mit weiteren Redouten durchstoßen konnten.
In diesen Schanzen hatte Peter 4000 Mann mit 16 Kanonen stationiert. Als die Schweden, die an jenem 8. Juli 1709 seit kurz nach Mitternacht auf den Beinen waren, gegen Sonnenaufgang die erste Redoute stürmten, trafen sie kaum auf Widerstand, denn die Stellung war noch nicht besetzt. Doch danach gerieten sie unter Beschuss. Sie konnten die Befestigungen nicht erstürmen, da sie weder Leitern und Seile dabei hatten, noch Rutenbündel, um Gräben aufzufüllen.
In Poltawa sollte sich die defensive Aufstellung der Russen als Vorteil erweisen, denn sie erlaubte einen massiven Einsatz der Artillerie. Von ihren 102 Kanonen waren 70 leichte Dreipfünder, die am Ende der Schlacht zusammen über 1100 Schuss abgegeben haben würden, davon ein Drittel Kartätschen. Aber in dieser Schlacht kamen sogar die riesigen 40-Pfund-Haubitzen und 20-Pfund-Mörser durchschnittlich auf 17 Schuss, die Zwölfpfünder sogar auf 36 Schuss – zusammen waren es fast 1500 Geschosse, die auf die Schweden niedergingen, eines auf jeden zehnten Mann.
Zunächst marschierte der Großteil der schwedischen Armee unter heftigem Feuer einfach an den Redouten vorbei und versammelte sich in einer Senke westlich des russischen Lagers. Ein Drittel der Infanterie aber traf dort gar nicht ein, weil die Soldaten aufgrund schlechter Kommunikation nicht wussten, wohin sie marschieren sollten. Schließlich wurden sie von den russischen Truppen in eine andere Richtung abgedrängt.
Nun ergriffen die Russen unter dem Kommando von Feldmarschall Boris Scheremetew die Initiative und wagten die offene Schlacht. Beide Seiten formierten sich. Die erdrückende russische Überlegenheit war für jedermann offensichtlich: Den 42 Bataillonen, 12 000 Mann in einer ersten, vier Soldaten tiefen Reihe, und dahinter weitere 9000, standen lediglich zehn schwedische Bataillone mit wenig mehr als 4000 Soldaten gegenüber – weit gestreckt, damit die Ausdehnung der Linie gleich war und die Umgehung an den Flügeln nicht zu leicht fiel. Bei der Kavallerie war das Ungleichgewicht nicht ganz so dramatisch, auf 8500 Schweden kamen knapp 14 000 Russen.
Was die reinen Zahlen nicht erzählen: Die russische Armee von 1709 war zudem nicht mehr die alte, die sich in früheren Schlachten so häufig hatte überrumpeln lassen. Durch die vielen Auseinandersetzungen mit Karl XII. und seinen Truppen hatten Peters Generäle von den gegnerischen Taktiken gelernt. Gerade da Schweden der Hauptgegner war, verfolgten die meisten Militärreformen unter Peter I. das Ziel, dieser Armee besser gewachsen zu sein. Zu den Modernisierungsmaßnahmen, die sich an diesem Tag auszahlten, gehörten flexible Dragonerregimenter, eine professionalisierte Ausbildung, eine bessere persönliche Ausstattung der Soldaten, der massive Einsatz von Artillerie in der Verteidigung und insbesondere scharfe Disziplin.
Viele schwedische Verwundete werden nach der Schlacht getötet
Im Lauf der Schlacht kam das erdrückende russische Übergewicht voll zum Tragen: Die Soldaten Peters I. drängten vorwärts und drohten, die ganze schwedische Linie aufzurollen. Das Einzige, was deren Offiziere jetzt noch tun konnten, war, im einsetzenden Chaos möglichst vielen Männern die Flucht zu ermöglichen. Das sollte jedoch nur wenigen gelingen. Selbst Karl XII. entkam nur mit knapper Not.
Über 9200 Schweden starben in Poltawa, bei den Russen waren es 1300. Schwedische Verwundete wurden noch auf dem Schlachtfeld getötet. Die Verluste bei der Armee Karls XII. betrugen fast 60 Prozent.
Der schwedische König befahl den Rückzug und setzte die Vorhut in Marsch. Es blieb nur die Flucht nach Süden, entlang der Worskla, die nach knapp 100 Kilometern in den an jener Stelle fast zwei Kilometer breiten Dnjepr mündet. Rettung versprach das weit jenseits des Flusses liegende Gebiet der Osmanen, traditioneller Feinde Russlands.
Doch wie sollte der Dnjepr überwunden werden? Er ließ sich nicht einfach durchschreiten. Boote waren Mangelware und hätten erst gebaut werden müssen, was für unzählige Wagen und nach wie vor rund 15 000 schwedische Soldaten und 6000 Kosaken unter Iwan Masepas Kommando nicht auf die Schnelle zu leisten war.
In Perewolotschna, am Ufer des Dnjepr, war offensichtlich, dass es für die Armee keinen Ausweg mehr gab. Die schwedischen Generäle wollten eine letzte Schlacht schlagen. Sie überzeugten den König, sich selbst über den Fluss setzen zu lassen, um die Flucht fortzusetzen. So retteten sich Karl XII. und Masepa mit etwa 3000 Mann auf die andere Seite des Dnjepr. Die Zurückgebliebenen – 1000 Offiziere, 12 000 Soldaten und 6500 Zivilisten (darunter 1500 Frauen) – kapitulierten und begaben sich in Gefangenschaft. Nur etwa 4000 von ihnen sollten in die Heimat zurückkehren, der letzte Soldat erst 1745.
Mit weniger als 2500 Mann traf der schwedische König im heute in Moldawien gelegenen Bender ein. Während Masepa noch 1709 starb und der Aufstand seiner Kosaken ein blutiges Ende fand, schlug Karl sein Lager auf den Feldern vor der Stadt auf. Für über vier Jahre sollte dieser Ort sein Exil sein: einerseits, weil eine Heimreise durch feindliche Staaten für einen Monarchen kaum möglich war; andererseits, weil er die Osmanen von einem gemeinsamen Krieg gegen Russland überzeugen wollte.
Karl XII. gibt sich nach der Niederlage unbeeindruckt
Karl dachte auch nach dem Desaster von Poltawa nicht an einen Friedensschluss. Er schrieb im August 1709 an seine Schwester: „Hier ist Alles gut gelungen. Nur am Schlusse des Jahres und nur durch einen besonderen Zufall hatte die Armee das Unglück, Verluste zu erleiden, die, wie ich hoffe, binnen kurzem wieder gut gemacht sein werden.“ Außer Karl XII. sprach danach allerdings niemand mehr von einer Rückkehr zum Status quo von 1700.
Stattdessen bürgerte sich im Russischen die Redewendung „wie ein Schwede bei Poltawa“ ein, um Hilflosigkeit angesichts einer Übermacht zu beschreiben. Karls wichtigste Generäle befanden sich nun in Gefangenschaft. Der am Dnjepr festgesetzte Adam Lewenhaupt beispielsweise, den seine Gegner mit höchstem Respekt behandelten, starb 1719 in Moskau, ohne seine Heimat je wiedergesehen zu haben. Der ebenfalls gefangen genommene Feldmarschall Carl Gustav Rehnskiöld hatte mehr Glück und kehrte 1718 zurück. Carl Gustav Roos, der die bei Poltawa irregeleiteten Infanterie-Einheiten kommandiert hatte, kam erst nach dem Friedensvertrag von Nystad 1721 frei – er starb allerdings auf der Rückreise nach Schweden.
Peter nutzte den Erfolg in Poltawa für sein eigentliches Ziel: die Expansion im Baltikum. Stand keine schwedische Armee mehr in der Ukraine, waren seine Soldaten frei für einen Krieg im Nordwesten seines Reiches. Der Sommer 1710 brachte große Erfolge: Riga, Pärnu und Reval kapitulierten, Russland eroberte acht Festungen in jenem Jahr. Im fernen Bender musste Karl eine Hiobsbotschaft nach der anderen entgegennehmen.
Außerdem heiratete Peters Halbnichte Anna 1710 den Herzog Friedrich von Kurland, was den dynastischen Anspruch der Romanows auf dieses Gebiet untermauerte. Friedrich starb schon ein Jahr später, so dass Anna die Regentschaft übernahm; 1730 wurde sie sogar nach dem Tod Peters II., des Enkels Peters I., zur russischen Zarin gekrönt. Mit dieser Liaison der Romanows mussten Sachsens Hoffnungen, sich Kurland zu sichern, die ein wesentlicher Grund für den Großen Nordischen Krieg gewesen waren, als gescheitert gelten.
Allerdings war Peters Machtzuwachs keineswegs unangefochten. Ganz im Gegenteil: Mit dem Erstarken seiner Position im Norden ging eine Schwächung seiner Herrschaft im Südosten – gegenüber den Osmanen – einher. Karl XII. nämlich hatte von seinem Lager in Bender aus Sultan Ahmed III. von einem Feldzug gegen Russland überzeugen können. Zwar herrschte zwischen Moskau und Konstantinopel seit 1700 Friede, doch weil Zar Peter bei seiner Verfolgung Karls XII. in Moldau einmarschiert war, das zum Osmanischen Reich zählte, ließ der Sultan dessen Botschafter ins Gefängnis werfen, und man erklärte einander den Krieg.
Die osmanische Hilfe für Schweden bleibt halbherzig
Peter I. beschloss, in die Offensive zu gehen, denn er hatte keine Hilfe aus dem Westen zu erwarten. Allerdings kam der russische Vormarsch nicht wie geplant voran. Im Juli 1711 schlossen die Osmanen südlich von Jassy das russische Lager ein und begannen mit der Belagerung; angesichts ihrer zahlenmäßig deutlichen Überlegenheit war Peter froh über ein Friedensangebot des gegnerischen Heerführers. Russland musste die Festung Asow zurückgeben, seine Schwarzmeerflotte abschaffen und zwei weitere Festungen schleifen; außerdem verpflichtete es sich, die Rückkehr Karls aus seinem Exil nicht zu behindern und sich aus polnischen Angelegenheiten herauszuhalten.
Für Peter I. waren das keine dramatischen Zugeständnisse. Das war auch die Deutung Karls XII., der Sultan Ahmed III. davon überzeugen wollte, dass der Friede ganz und gar im Sinn der Osmanen sei. Karl XII. intrigierte gegen den Großwesir des Sultans und warf ihm die Annahme einer Bestechung des Zaren vor. Zwar erwirkte der Schwede die Ablösung des Großwesirs und eine erneute Kriegserklärung an Russland, aber dieser folgte nach kleineren Gefechten ein weiterer Friedensschluss. Die Hohe Pforte war schlicht nicht ernsthaft an einem Konflikt interessiert. Der Vertrag von Adrianopel bestätigte 1713 den Frieden vom Pruth, was auch im Interesse Russlands lag, zumal Peter I. die Neutralitätsverpflichtung gegenüber Polen ignorieren konnte.
1713 war Karl den Osmanen mehr als lästig geworden. Er mischte sich in ihre Außenpolitik ein, drängte ständig auf einen Krieg mit Russland, hatte jedoch als Verbündeter wenig zu bieten: Die Schweden befanden sich in Europa seit Poltawa in der Defensive.
Ahmed III. wollte seinen Gast loswerden und bot ihm 600 000 Taler für die Abreise, doch der zeigte keinerlei Aufbruchswillen – nach wie vor war Karl XII. auf einen neuen Feldzug gegen Peter I. aus. Der Sultan ordnete deshalb die Festnahme des Königs an und ließ ihn nach Didymoticho an der heutigen griechisch-türkischen Grenze transportieren.
Das Exil hatte sich in eine Gefangenschaft verwandelt, selbst wenn diese durchaus großzügig ausfiel. Erst im Oktober 1714 kehrte Karl XII. nach Nordeuropa zurück: Nachdem die Osmanen ihn und sein Gefolge bis zur österreichischen Grenze eskor- tiert hatten, wagte er, nur in Begleitung eines Adjutanten, eine 15-tägige Reise per Postkutsche und zu Pferd von Pite¸sti ins damals schwedische Stralsund. Das waren über 2150 Kilometer, die er größtenteils inkognito zurücklegte, weil es auch durch feindliche Gebiete ging. Für einen frühneuzeitlichen Monarchen war es eine äußerst schnelle Reise, wie sie sonst nur Postkuriere schafften.
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