Beide Konzepte repräsentierten jedoch nicht die Mehrheit beider Volksgruppen – türkischstämmige Zyprioten machten 20 Prozent der Bevölkerung aus –, denn die Mehrheit favorisierte eine unabhängige Republik Zypern, in der beide Gruppen gleichberechtigt nebeneinander leben sollten. Dies war auch das Konzept, das zwischen Großbritannien, Griechenland und der Türkei bei der Entlassung der Insel aus dem Commonwealth 1960 ausgehandelt worden war. Doch die Militanten auf beiden Seiten torpedierten diese „Republik Zypern“ von Anfang an. Der Konfrontationskurs gipfelte 1974 in einem Putsch griechischer Nationalisten. Ankara reagierte völkerrechtsgemäß mit der Entsendung von Truppen – etablierte aber völkerrechtswidrig sogleich eine eigene Herrschaft über 40 Prozent des Landes. De facto begann „Taksim“ bereits zu diesem Zeitpunkt, es kam zu Vertreibungen von Griechen aus dem Norden und zu Übergriffen auf Türken im Süden. De jure setzte erst Rauf Denktasch die Teilung neun Jahre später in der Proklamation der „Türkischen Republik Nordzypern“ durch, die bis heute besteht, aber nur von der Türkei anerkannt wird.





