In der Zeit des Ersten Weltkriegs war die deutsche kaiserliche Marine im Bau von U-Booten führend. Die Konstrukteure in den deutschen Werften rüsteten ihre Unterseeboote mit den damals modernsten Dieselmotoren, Periskopen und Gyroskopen aus. Nachdem die Briten im Jahr 1916 die deutschen Häfen in einer Seeblockade von der Rohstoff- und Nahrungsmittelversorgung aus Übersee abschnitten, entschloss sich die deutsche Marineleitung zu einem ethisch fragwürdigen Schritt: Im Gegenzug griff sie mit ihren U-Booten nun auch zivile Fracht- und Passagierschiffe der Kriegsgegner und sogar von neutralen Ländern an.
Von Kiel über Harwich in die USA
Eines dieser U-Boote war die U-111, ein 1917 größtenteils in der Kieler Germaniawerft gebautes Unterseeboot. Das mit zwölf bis 16 Torpedos ausgerüstete, 72 Meter lange Schiff wurde ab September 1917 vorwiegend im Ärmelkanal und Nordatlantik eingesetzt. Bis Kriegsende versenkte es dabei drei Frachtschiffe. Nach der Kapitulation des deutschen Kaiserreichs wurde die U-111 wie zahlreiche andere deutsche U-Boote als Kriegsbeute nach Harwich gebracht. Auf Wunsch von US-Präsident Woodrow Wilson wurden 1919 sechs dieser U-Boote in die USA überführt, wo sie zunächst im Rahmen einer Werbekampagne für Kriegsanleihen der Bevölkerung vorgeführt wurden. Dann wurden die Motoren und weitere Anlagen der U-111 ausgebaut, um die für damalige Zeit fortschrittliche Technologie zu analysieren.
Das ausgeweidete U-Boot sollte dann gemeinsam mit anderen im Juni 1921 im Rahmen eines Manövers der US-Luftwaffe als Testziel eingesetzt und versenkt werden. Doch die von einem Schlepper gezogene U-111 sank schon auf dem Weg zum Manöverort. Weil das im flachem Wasser liegende Wrack als für Schiffe gefährliches Hindernis eingestuft wurde, wurde es gehoben und zunächst zur US-Marinebasis in Norfolk im US-Bundesstaat Virginia geschleppt. Am 31. August 1922 dann sollte das deutsche U-Boot endgültig versenkt werden: Ein Schiff schleppte es in den Atlantik hinaus, wo seine Luken geöffnet wurden und Sprengsätze die Hülle zerstörten. Marine-Aufzeichnungen zufolge soll die U-111 daraufhin in 500 Meter tiefem Wasser gesunken sein, der genaue Ort wurde jedoch nicht offengelegt.
Wrack der U-111 gefunden
Der US-Wracksucher und ehemalige Secret-Service-Agent Erik Petkovic wollte sich damit nicht begnügen. Ihm war bereits zuvor aufgefallen, dass einige nach dem Ersten Weltkrieg von der US-Marine versenkte Schiffe und U-Boote in deutlich geringerer Wassertiefe lagen als angegeben. Um herauszufinden, ob dies möglicherweise auch für die U-111 galt, ermittelte Petkovic, welches Schiff der US-Marine damals die U-111 an ihre letzte Ruhestätte gebracht hatte und studierte die historischen Logbücher dieses Schiffs. Tatsächlich legten die dort vermerkten Koordinaten nahe, dass die U-111 möglicherweise noch auf dem flacheren Schelf statt vor dem Kontinentalabhang gesunken sein könnte. Gestützt wurde dies durch Berichte von Fischern, deren Netze sich in dieser Gegend häufiger am Grund verhakten.





