Mit dem ambitionierten Ziel, übergreifende philosophische, ethische und historische Fragen zu verhandeln und die prinzipielle Offenheit vergangener historischer Entwicklungen zu spiegeln, erarbeitet das DHM derzeit aus seiner rund eine Million Objekte umfassenden Sammlung eine neue Ständige Ausstellung im historisch-barocken Zeughaus. Die Museumsgäste sind eingeladen, sich über die in den europäischen Kontext eingebettete, wechselvolle deutsche Geschichte ein Urteil zu bilden – gerne in kritischer Distanz auch zu den eigenen, sicher geglaubten Sichtweisen.
Das sind Kernbotschaften der programmatischen Neuausrichtung des DHM, wie Raphael Gross, Präsident des Hauses Unter den Linden seit 2017, erklärt: „Das Deutsche Historische Museum will ein Ort zur Stärkung historischer Urteilskraft sein: Wenn wir Ereignisse der Gegenwart im Licht der Vergangenheit reflektieren, vergangenes Geschehen erforschen oder erinnern wollen, ist sie unverzichtbar. Sie setzt voraus, den eigenen Blick kritisch zu hinterfragen, die Begrenzungen des eigenen Sichtfeldes wahrzunehmen und so verschiedene Perspektiven anzuerkennen.“
Spektakuläre Architektur prägt das Berliner Stadtbild
Seinem Standort in der historischen Mitte der Hauptstadt entsprechend – am Beginn der Straße „Unter den Linden“, zwischen Schlossplatz, Museumsinsel und Humboldt-Universität –, befindet sich Deutschlands nationales Geschichtsmuseum seit seiner Eröffnung 1990 im Zentrum öffentlicher Wahrnehmung und Debatten. Im Zuge der Wiedervereinigung übernahm das DHM auch das „Museum für Deutsche Geschichte“ (MfDG) – seines Zeichens das zentrale sozialistische Geschichtsmuseum der DDR – und dessen Sammlungen. Damit verfügte das DHM nicht nur über zahlreiche Zeugnisse zur Geschichte der sozialen Bewegungen seit dem Mittelalter, insbesondere der Arbeiterbewegung, und der materiellen Kultur des Alltags, auch Gesellschaft und Politik der DDR waren ein wesentliches Sammlungsziel, so dass das DHM zudem die bedeutendste Sammlung zu deren Geschichte beherbergt – nicht zuletzt die umfängliche Fotosammlung.
Der Grundstein war gelegt für den Aufbau eines die gesamte deutsche Geschichte als Teil Europas umfassenden materiellen Gedächtnisses vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart. Die jedes Jahr um etwa 7000 Objekte ergänzte Sammlung umfasst die mittelalterliche Handprothese eines Ritters genauso wie den bei Waterloo erbeuteten Hut Napoleons und das von einer Handkurbel angetriebene Fluchtboot, mit dem zwei Brüder aus der DDR vergeblich versucht hatten, über die Ostsee zu fliehen. Das Sammlungsspektrum ist umfassend: Gemälde, Graphiken, Möbel und Kunsthandwerk, technische und medizinische Geräte, Münzen und Medaillen, Alltagskultur, Kleidung und Fahnen, Dokumente, Waffen und Uniformen, militärische und zivile Abzeichen, Plakate, Fotografien und Postkarten, Manuskripte und seltene Buchdrucke. Es fordert zu immer neuen Fragen und Themenstellungen sowie zur fruchtbaren Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart heraus.





