„Es ist unglaublich, dass die persönlichen Gegenstände unseres Mitbruders nach so vielen Jahren ihren Weg in unseren Orden zurückfinden”, sagte Pater Michael Maß aus der Ordensgemeinschaft der Missionare von Mariannhill. Pater Engelmar Unzeitig war im Januar 2016 offiziell als Märtyrer der katholischen Kirche anerkannt worden. Am 24. September 2016 soll seine Seligsprechung im Dom zu Würzburg folgen.
Der unter dem Namen Hubert Unzeitig geborene Geistliche wurde im April 1941 von den Nationalsozialisten verhaftet und heute vor 75 Jahren, am 3. Juni 1941, ins Konzentrationslager Dachau verschleppt. Er hatte sich öffentlich für verfolgte Juden eingesetzt. Bei seiner Einlieferung nahmen die Nazis ihm persönliche Gegenstände ab – darunter die beiden Medaillen und seine Taschenuhr. Zahlreiche Briefe hat Pater Engelmar während seiner knapp vierjährigen Inhaftierung im KZ Dachau geschrieben. In einer der letzten Nachrichten an seine Schwester Adelhilde schrieb er: „Liebe verdoppelt die Kräfte, sie macht erfinderisch, macht innerlich frei und froh”.
Ungeachtet der lebensbedrohlichen und unmenschlichen Bedingungen kümmerte er sich um eine Mitinsassen, teilte mit ihnen seine Essenrationen und betreute Mithäftlinge als Seelsorger. Als 1945 im KZ Typhus ausbrach, meldete er sich freiwillig zur Pflege, infizierte sich und starb selbst an der Krankheit.
Bei einer der beiden Medaillen handelt es sich laut Pater Michael Maß um die Profess-Medaille, die jeder Mitbruder ausgehändigt bekommt, wenn er sein Ordensgelübde ablegt. „Zukünftig werden die Medaillen vermutlich als Berührungsreliquien des künftigen Seligen verwendet”, so Maß.
Geistliche, die in ihren Predigten Judenverfolgung oder Konzentrationslager anprangerten und sich gegen Hitler stellten, wurden vom NS-Regime verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Ende 1940 begannen die Nationalsozialisten damit, die Priester aus allen Lagern in Dachau zusammenzulegen. Nach Angaben der dortigen KZ-Gedenkstätte ist bei 1675 Häftlingen die Haftkategorie „Geistlicher” vermerkt. Die überwiegende Mehrheit dieser Häftlingsgruppe kam aus Polen, die zweitgrößte Gruppe bildeten deutsche Geistliche. Sie mussten Zwangsarbeit innerhalb des Lagers leisten.
Der International Tracing Service (ITS) ist ein Archiv und Dokumentationszentrum über NS-Verfolgung und die befreiten Überlebenden. Aus mehr als 30 Millionen Dokumenten erhalten ehemals Verfolgte und ihre Nachfahren Informationen zur Inhaftierung, Zwangsarbeit sowie der Nachkriegsunterstützung durch die Alliierten. Das Archiv ist zugleich die Grundlage für Forschung und Bildung. Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, besteht eine internationale Zusammenarbeit mit Gedenkstätten, Archiven und Forschungsinstitutionen.





