Der niemals erklärte Krieg in Gallien begann an einem Maitag des Jahres 59 v. Chr. Die Volksversammlung in Rom beschloss, Caesar die Provinzen Gallia Citerior (Oberitalien) und Illyricum (Westküste Dalmatiens) zuzuteilen. Das Kommando sollte bis 53 v. Chr. gelten.
Caesar war einer der beiden für das Jahr 59 gewählten Konsuln. Das Konsulat war die oberste Stufe der römischen Ämterkarriere, anschließen konnte sich dann eine Tätigkeit als Statthalter (Prokonsul) in der Provinz. Üblich war es, die Provinzen bereits vor den Konsulwahlen festzulegen. Der Senat hatte Caesar die Wälder und Triften Italiens zugedacht. Mit einem solchen Prokonsulat ließen sich weder Ruhm erwerben noch Einkünfte vermehren. Der Beschluss war eine politische Ohrfeige, noch bevor Caesar sie sich verdient hatte. So war er seit seiner Amtsübernahme entschlossen, ihn zu korrigieren. Dies geschah im Mai auf Antrag eines befreundeten (und gekauften) Volkstribunen. Währenddessen starb der Statthalter der Provinz Narbonensis (Südfrankreich), und der Senat sprach überraschend Caesar auch diese Provinz zu.
Damit waren die Voraussetzungen für veritable Kriege gegeben. Caesar hatte die Wahl. Er konnte zum einen von Illyricum aus in den Donauraum vorstoßen oder von der Narbonensis aus ins uneroberte Gallien. Möglicherweise gab die Gelegenheit den Anstoß für Gallien. Im März 58 erreichten Nachrichten von den Auswande‧rungsplänen der Helvetier Rom, und diese lieferten den Grund, den Caesar brauchte, um militärisch zu intervenieren. Selbst ein Statthalter durfte die Provinzgrenzen nur mit Genehmigung des Senats überschreiten, Kriege nach Gutdünken zu führen war heikel – zumindest im Fall einer Niederlage. So nutzte Caesar die erste Chance, die sich ihm bot. Später begnügte er sich damit, sein Handeln post eventum zu begründen. Wenn Gefahr drohte, verbot sich langwieriges Nachfragen in Rom, und wo Caesar war, drohte Gefahr.
Über seine Motive sagt Caesar in seinen „Commentarii“ zum Gallischen Krieg wenig. Das hat zwei Gründe. Teils waren sie so selbstverständlich, dass es überflüssig war, sie zu erwähnen. Das Ansehen eines römischen Aristokraten definierte sich in erster Linie über seine Leistungen im Krieg. Er erreichte den Gipfelpunkt, wenn ihm der Senat für seine Leistungen einen Triumph zubilligte. Pompeius hatte im 1. Jahrhundert die meisten Kriege geführt und sie erfolgreich beendet. Das brachte ihm höchstes An‧sehen, freilich auch den Neid etlicher Senatoren. Caesars Ziele waren von daher einfach: Er wollte Pompeius an Ansehen gleichkommen; an Unbeliebtheit unter den Aristokraten hatte er ihn schon übertroffen. Das Schlüsselwort lautete dignitas: Ansehen, Würde, Ehre. Von ihr sprach Caesar freilich erst, als sie ihm abgesprochen wurde, nämlich im Bürgerkrieg. Dignitas sei ihm immer das Höchste gewesen, mehr als sein Leben. Tatsächlich hat er dafür sogar viele Leben aufs Spiel gesetzt.





