Der Siegeszug des Islam hat die Weltgeschichte zutiefst verändert. Von der Arabischen Wüste breitete sich die neue Religion und die durch sie begründete weltliche Herrschaft nach Nordindien und Zentralasien und bis zur afrikanischen Atlantikküste aus. Das Mittelmeer, einst mare nostrum, verband die Völker des Nordens und des Südens nicht mehr, sondern trennte sie. Die koranische Offenbarung, vom Propheten selbst als „Scheideinstrument“ bezeichnet, teilte die Menschen in diejenigen, die sich ihr „unterwarfen“ (arabisch muslim), und jene, die sich ihr widersetzten.
In einer Zeit geistlicher Wirren und religiöser Unsicherheit breitete sich dieser junge Glaube aufgrund seiner Klarheit und seiner Unbedingtheit mit elementarer Wucht aus. Die Menschheit zerfiel in Gläubige und Ungläubige. Die antike Ökumene gab es nicht mehr; Orient und Okzident, das „Haus des Islam“ und das „Haus des Krieges“ standen sich unversöhnlich gegenüber. Nach dem belgischen Historiker Henri Pirenne markiert dieses Auseinanderbrechen das Ende des Altertums und den Beginn des Mittelalters. Innerhalb des mittelalterlichen Europa war Spanien der Hauptschauplatz dieses welthistorischen Konflikts, die Grenze zwischen den Welten verlief mitten durch die Iberische Halbinsel. Erst durch die islamische Eroberung Konstantinopels (1453) und die christliche Eroberung Granadas (1492) verlagerte sich der Konflikt von Spanien nach Südosteuropa – damit endete dann das Mittelalter, die Neuzeit begann.
Die frühe Expansion des Islam ist welthistorisch einmalig. Nach dem Tod des Propheten Mohammed (632), der die arabischen Stämme erstmals geeint hatte, breiteten sich der neue Glaube und die auf ihm basierende neue Gesellschaftsordnung mit atemberaubender Geschwindigkeit aus. Mit frischer, unverbrauchter Kraft drangen die arabischen Krieger in alle Himmelsrichtungen vor. Das persische Weltreich fiel ihnen wie eine reife Frucht in den Schoß. Sie eroberten Ägypten, Palästina, Syrien, ehemals Kernländer des Byzantinischen Reichs, und machten das uralte Damaskus zu ihrer Hauptstadt. Allerdings misslang der Versuch, Konstantinopel selbst zu erobern; in Italien konnten die Muslime lediglich die Insel Sizilien für längere Zeit in Besitz nehmen.
Der Vorstoß nach Nordafrika veränderte die Geostrategie des Mittelmeerraums für immer. Die römische Provinz Africa (arabisch Ifrikija), das heutige Tunesien, war mit ihrer Lage im Zentrum des Mittelmeers und mit ihren fruchtbaren Feldern von großer strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Hier musste zwar der erbitterte Widerstand der einheimischen Berber niedergerungen werden; mit der Gründung von Kairouan (670) wurde jedoch ein dauerhaftes Zeichen der muslimischen Machtergreifung gesetzt. Diese Stadt wurde zum Ausgangspunkt der Eroberung des Westens (arabisch Maghrib), Kairouan gilt bis heute als viertheiligste Stadt des Islam, nach Mekka, Medina und Jerusalem. Von dieser Basis aus griffen die muslimischen Heere Spanien an, etwa zur gleichen Zeit, als im Osten Teile Indiens und das an China angrenzende Turkestan erobert wurden.





