Die Brahms-Fotografie in Form einer „Carte de visite“ ist im Atelier des jungen Bremer Fotografen Jean Baptiste Feilner entstanden. Feilner gehörte zu den bedeutendsten Portrait-Fotografen seiner Zeit, besonders begehrt waren seine Portrait-Aufnahmen im Visitkarten – oder dem etwas größeren Kabinett-Format. Nach zahlreichen, zum Teil internationalen Prämierungen wurde er vom Oldenburger Erbgroßherzog Peter II. mit dem Titel des „Hof-Photographen“ ausgezeichnet.
Institutsleiter Wolfgang Sandberger meint: „Die Fotografie ist eine kleine Sensation, da sie in der Forschung bislang unbekannt ist. Unser Bild von Brahms bestimmen die dominierenden Altersfotografien. Der Komponist schaut da meist versonnen-melancholisch in die Kamera. Die Bremer Fotografie zeigt ihn dagegen selbstbewusst, in stehender Pose am Beginn seiner internationalen Karriere – und ganz ohne Bart.“
Johannes Brahms hat sich nachweislich häufiger in Bremen aufgehalten. Schon mit 22 Jahren spielte er im Konzertsaal der Union Beethovens fünftes Klavierkonzert und das Klavierphantasie op. 77. In ihrem Tagebucheintrag schwärmte Clara Schumann: „Es war wie ein Musikfest“. Im November 1868 trat Brahms erneut in Bremen auf. Diesmal spielte er im „Concertsaal“ der Neuen Börse sein Klavierquartett A-dur op. 26, dessen Autograf ebenfalls zur kostbaren Sammlung des Lübecker Brahms-Instituts gehört. Aus dieser Zeit besitzt das Brahms-Institut noch eine weitere Fotografie, auf der Brahms gemeinsam mit dem Bremer Musikdirektor Carl Reinthaler abgebildet ist.
Die Fotografie ergänzt den umfangreichen ikonografischen Bestand der Lübecker Sammlung, die via Internet weltweit zugänglich ist. Dazu gehören rund 50 Fotografien, die zwischen 1853 und dem Todesjahr 1897 aufgenommen wurden und zum großen Teil aus dem Nachlass des Komponisten stammen.





