Ein bunter Strauß an Themen kommt zur Sprache: die Notwendigkeit von Geschichtsbewusstsein und politischer Erziehung, Erinnerungen an Kindheit, Krieg und Nationalsozialismus, das Verhältnis Deutschlands zu den USA und Israel, der Aufstieg Chinas und die EU, die neuen Medien und der Wirtschaftsliberalismus, die historische Bedeutung des Marxismus …
Beide bringen ihre oftmals recht unterschiedlichen Meinungen pointiert und klar zum Ausdruck. Vieles, was Helmut Schmidt zu sagen hat, mag dem Leser der „ZEIT“ und seines letzten Buchs „Außer Dienst“ bekannt vorkommen, doch spannend wird die Lektüre durch die Gesprächskonstellation: Fritz Stern, 1926 in Breslau geboren und 1938 gemeinsam mit seiner vor ihrer Konversion jüdischen Familie in die USA emigriert, erlebte das 20. Jahrhundert aus einem dezidiert anderen Blickwinkel als Schmidt, so etwa das Jahr 1941 mit dem Beginn des Russland-Feldzugs. Während Schmidt als Leutnant der Luftwaffe zwar von einer deutschen Niederlage ausging, em-pfand Stern Erleichterung beim Eintritt der Russen in den Krieg, denn er hoffte auf ein schnelles Ende der deutschen Angriffe. Und wenn Schmidt Sterns Frage beantworten soll, was er vor 1945 vom Holocaust wusste, dann gibt sich sein Gesprächspartner nicht zufrieden mit der Antwort, dass der einfache Deutsche, und so auch Schmidt, nichts wissen konnte, er insistiert und fördert so das Nachdenken, auch beim Leser.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger





