Die Nachkommen der Opfer und der Täter treffen sich zum gemeinsamen Gespräch, um ihren Hass und Schmerz, ihre Schuldgefühle und Frustration einander mitzuteilen. Dabei geht es nicht nur darum, individuelle Erfahrung zu schildern, die Diskussion kreist um die Werte und Wurzeln der beiden Kulturen und damit auch um die eigene Identität. Die Familiengeschichte der Wagners, die Stilisierung Bayreuths durch Richard Wagners zu einem quasi-sakralen Ort und der Versuch Gottfrieds, seinen Verwandten Antworten zur Rolle der Familie während der NS-Zeit zu entlocken, sind ebenso Thema des Buches wie die polnische Herkunft der Familie Peck, das Leben im Lodzscher Ghetto und der einfühlsame Bericht von den ersten Lebensjahren in den USA. Den Abschluß bilden die gemeinsamen Reisen durch Deutschland und Polen und der Besuch der Schicksalsorte beider Familien. Während der Dialog Wagners und Pecks zuvor aus „sicherer Entfernung“ geführt wurde und sich im Laufe der Jahre verstetigt hatte, zeigt die Konfrontation mit den Orten, an denen das Unrecht geschah, wie schwierig das gemeinsame Gespräch werden kann; es wird allerdings fortgesetzt.
Memoiren wie diese stellen für die historische Forschung eine wichtige Quelle dar. Sie geben Einsicht in Bewältigungsstrategien der Autoren. Ein nachlässiges Lektorat (die Anmerkungen im Anhang sind den falschen Kapiteln zugeordnet), sinnentstellende Fehler („Die gescheiteste…“ statt gescheiterte „Parsifal-Diskussion mit Vater“), und die Angewohnheit Wagners, sich zu moralisierenden Exkursen hinreißen zu lassen, beeinträchtigen die Lektüre.
Rezension: Zimmermann, Till





