Es ist die römische Geschichtsschreibung, die die Erinnerung an ein 2000 Jahre zurückliegendes Ereignis ermöglicht. Antike Autoren wie Tacitus und Cassius Dio berichten über die „Schlacht im Teutoburger Wald“ bzw. den Ort, an dem der römische Statthalter Varus mit drei Legionen im Jahr 9 n. Chr. von Germanen unter ihrem Anführer Arminius vernichtend geschlagen wurde. Die meisten Schriften entstanden mehrere Jahrzehnte, einige erst 200 Jahre nach den Kämpfen, und wir verdanken ihre Überlieferung unter anderem mittelalterlichen Klöstern, wo einige der Quellen die Jahrhunderte bis zu ihrer Wiederentdeckung zu Beginn der Neuzeit überdauerten. Der damals entwickelte Buchdruck sorgte dann aber für eine schnelle Verbreitung der antiken Texte, die in der Folgezeit auf unterschiedliche Weise interpretiert, aber auch instrumentalisiert wurden. Sie führten gelegentlich dazu, dass der Konflikt des Jahres 9 n. Chr. zum Ausgangspunkt einer deutschen Nationalgeschichte stilisiert wurde. Zugleich waren die historischen Quellen seit ihrer Auffindung Auslöser für Forschungen wie auch Spekulationen über den tatsächlichen Ort des Geschehens.
Als früher archäologischer Beleg, der die antiken Berichte zur Varusschlacht bestätigt, kann der etwa 1620 bei Xanten entdeckte Caelius-Stein gelten. Den Grabstein errichtete der Bruder des römischen Offiziers Caelius, nachdem dieser als Angehöriger der XVIII. Legion im bello variano gefallen war. Vielfach wurden zwar schon in den vergangenen Jahrhunderten diverse Metallfunde mit der Varusschlacht in Verbindung gebracht, doch hielten sie einer kritischen Würdigung selten stand; häufig war nicht einmal eine Bestimmung als römische Objekte möglich.
Das 20 Kilometer nördlich von Osnabrück gelegene Fundareal von Kalkriese, das aus heutiger archäologischer Sicht für die Varusschlacht in Anspruch genommen werden kann, ist seit langem als Fundplatz republikanischer und augusteischer Münzen bekannt und wurde bereits 1885 von dem Althistoriker Theodor Mommsen als „Örtlichkeit der Varusschlacht“ interpretiert. Damals lagen jedoch noch keine Überreste römischer Militärausrüstung vor, so dass Mommsens These sich nicht durchsetzen konnte.
Der archäologische Forschungsstand erfuhr erst eine grundsätzliche Erweiterung, als Ende der 1980er Jahre, initiiert durch einen Amateurarchäologen, von der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück mit systematischen detektorgestützten Prospektionen (archäologische Geländebegehungen) begonnen wurde. Nach der Entdeckung eines Schatzes von 162 Denaren und erster römischer Militaria entwickelte sich, ausgehend von kleinen Suchschnitten, innerhalb weniger Jahre ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, das in den letzten beiden Jahrzehnten deutlich gemacht hat, wie komplex und neuartig die archäologische Untersuchung eines antiken Schlachtfelds ist.





