Beleuchtet wird sodann weitgehend chronologisch die Geschichte des FDGB-Feriendienstes, wobei schwerpunktmäßig die 1950er und 1960er Jahre betrachtet werden. In einem Exkurs kommen auch Tourismus-Angebote anderer Institutionen sowie die Freikörperkultur zur Sprache. In einem weiteren Schritt untersucht Görlich „Akteure im DDR-Tourismus“. Urlauber, Heimleiter und Mitarbeiter des Feriendienstes stehen hier im Mittelpunkt, übergeordnete (staatliche) Akteure spielen dagegen kaum eine Rolle. Bei seiner Zielsetzung verwundert aber vor allem, dass der Autor allein mit Archiv- und im Druck vorliegendem Material arbeitet, statt Quellen dieser Akteure außerhalb des Aktenkundigen zu benutzen (oder sie zu erschließen). Dadurch wird die Chance auf eine wirkliche Erfahrungsgeschichte teilweise vertan. Dann hebt der Autor die Betrachtung auf eine abstraktere Ebene. Theoretische Modelle zur Erfassung von Raum, Zeit und Erleben im Tourismus werden auf die DDR bezogen.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass sich schrittweise und allerorten die Utopie eines sozialistischen Staates ebenso verlor wie die eines „sozialistischen Urlaubs“. Görlich resümiert: „Erlebnis und Vergnügen erschlossen sich den Raum, den die Utopie nicht mehr besetzen konnte.“ Aber auch: „Urlaub in der DDR war nie politikfrei oder unpolitisch.“
Görlich fügt der DDR-Tourismusgeschichte durch die Studie zum FDGB-Tourismus einen wichtigen Baustein hinzu. Einen Bärendienst erweist er der historischen Tourismus-Forschung allerdings durch seine Ignoranz gegenüber weiteren jüngeren Forschungsansätzen zum Thema, denn die Idee einer (über)fachlichen Vernetzung der Erkenntnisse bleibt außen vor.
Rezension: Dr. Heike Wolter





