Die Archäologen Nicholas Conard und Mohsen Zeidi aus Tübingen führten zwischen 2009 und 2010 archäologische Ausgrabungen am Siedlungshügel Chogha Golan im Westen des Irans durch. Die Forscher betrachteten einen Längsschnitt, der acht Meter in die Tiefe reichte und Ablagerungen enthielt, die ausschließlich aus der Jungsteinzeit zwischen 9000 und 8000 v. Chr. stammten. In den Erdschichten fanden sie eine Fülle von Bauresten, Stein- und Knochengeräten sowie figürliche Darstellungen von Menschen und Tieren. Am bedeutendsten war für die Wissenschaftler der Fund verkohlter Pflanzenreste, die zahlreich und gut erhalten waren.
Simone Riehl, Leiterin des Archäobotanischen Labors in Tübingen, wertete mehr als 30 000 Pflanzenreste aus, die einen Zeitraum von mehr als 2 000 Jahren umfassen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Ursprünge der Landwirtschaft im Vorderen Orient vielen Zentren zuzuordnen sind und nicht, wie bislang angenommen, einem einzigen Kerngebiet entspringen.
Über einen Zeitraum von zwei Jahrtausenden wandelten sich die Menschen am Chogha Golan von Jägern- und Sammler hin zu Ackerbauern. Den Übergang zur sesshaften Lebensweise zu Beginn des Neolithikums (Jungsteinzeit) bezeichnen Wissenschaftler auch als neolithische Revolution.
Die ersten Bauern im Westen des Irans bauten domestizierte Pflanzen, wie verschiedene Weizenformen, Gerste und Linse, an. Viele der Pflanzen, die im „Fruchtbaren Halbmond“ angebaut wurden, stellen noch immer die Nahrungsgrundlage der heutigen Weltbevölkerung dar.





