In den ersten Jahren nach dem „Marsch auf Rom“ vom 28. Oktober 1922 war Mussolini großenteils mit der Durchsetzung seiner faschistischen Diktaturherrschaft beschäftigt. Die Außenpolitik überließ er weitgehend seinen Diplomaten. Was er jedoch auf die Dauer im Schilde führte, offenbarte er 1923 mit dem von ihm unvermittelt angeordneten militärischen Überfall auf die griechische Insel Korfu. Diese Gewaltaktion schlug zwar aufgrund des energischen Eingreifens Englands und Frankreichs fehl, sie ließ jedoch erkennen, dass der „Duce“ langfristig auf imperialistische Expansion aus war. 1925 formulierte er erstmals weitreichende Zielsetzungen einer faschistischen Außenpolitik. Diese gipfelten in der Zukunftsvision eine faschistischen „Imperiums“, das weit über das schon bestehende italienische Kolonialreich hinausgehen und in Europa zu einem „Jahrhundert der italienischen Vorherrschaft“ führen sollte. Der Weg dazu sollte über „die Züchtung eines neuen Geschlechts von Soldaten“ führen, die jederzeit dazu bereit seien, „ihr Leben zu opfern“.
Die Ausführungen signalisierten, dass Mussolini nicht einfach konventionelle Außenpolitik im Sinn hatte, sondern diese zur Militarisierung seiner faschistischen Diktatur benutzen wollte. Er verstand Außenpolitik als Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Das begann damit, dass er sich zu ihrer Durchsetzung nicht nur der Diplomatie bediente, sondern zugleich auch verdeckter Methoden der subversiven Destabilisierung anderer Länder. Die faschistische Außenpolitik erhielt damit seit Ende der 1920er Jahre einen höchst ambivalenten Charakter. Einerseits ordnete Mussolini sie in das kollektive Sicherheitssystem des Völkerbunds ein und suchte dem Anschein nach die Verständigung mit Frankreich und Großbritannien. 1925 nahm er an der Locarno-Konferenz teil und garantierte gemeinsam mit England die deutsch-französischen Grenzabmachungen. 1928 unterzeichnete er den Briand-Kellogg-Pakt, der den Krieg als Mittel der Politik ächtete. Noch mit der Durchsetzung des freilich wirkungslosen Vier-Mächte-Pakts von 1933 vermochte er den Eindruck zu erwecken, dass ihm an einer friedlichen Ausgleichspolitik zwischen Frankreich und Großbritannien einerseits und dem inzwischen von Hitler regierten Deutschland andererseits gelegen sei. Gleichzeitig arbeitete er jedoch insgeheim auf die Schaffung eines von Italien geführten faschistischen Blocks in Europa hin.
Zur Tarnung dieser subversiven Interven‧tionspolitik behauptete er ein um das andere Mal, dass das faschistische System „kein Exportartikel“ sei, obwohl er in Wahrheit eine massive faschistische Auslandspropaganda betrieb und in viele Länder faschistische Geheimagenten schickte. In Deutschland war der ehemalige Berufsoffizier Giuseppe Renzetti besonders erfolgreich. Während die italienische Botschaft in Berlin die offiziellen Kontakte zu den Regierungen der Weimarer Republik pflegte, arbeitete Mussolini über Renzetti insgeheim mit den Gegnern der Republik auf der Seite der extremen Rechten zusammen und weckte in weiten Kreisen der Nationalkonservativen Sympathien für den Faschismus. Renzettis politisches Meisterstück war es, dass er 1930 erstmals eine Verbindung zwischen Mussolini und Hitler herstellen konnte. Als Hitler 1933 in Deutschland die Macht übernahm, sah der „Duce“ deshalb sofort die Chance gekommen, eine „Neue Europäische Ordnung“ im Geist des Faschismus aufzubauen. „Hitlers Sieg ist auch unser Sieg“, kommentierte er bezeichnenderweise dessen Machtergreifung.





