Noch heute rätselt man über die Gründe dieser Entscheidung. Ovid selbst nennt in seiner Dichtung zwei Ursachen: zum einen ein Gedicht, wohl das mit dem Titel „Liebeskunst“, das aber bereits acht Jahre zuvor erschienen war. Gewichtiger war das zweite Motiv: Er habe etwas gesehen, das er nicht habe sehen dürfen. Bezeichnenderweise wurde etwa gleichzeitig auch Julia verbannt, die Tochter des Kaisers, die für ihr ausschweifendes Leben berüchtigt war. Ihre Entfernung erfolgte aus politischen Gründen: Sich mit fremden Männern, Aristokraten, einzulassen gefährdete die Stabilität der Dynastie. Ovid scheint in diesem Zusammenhang zu einem Mitwisser geworden zu sein. Es gab kein Gerichtsverfahren, Augustus verurteilte den Dichter kraft seiner Disziplinargewalt als Familienoberhaupt, da der Prozess in Verbindung mit dem gegen Julia stand. Ovid sah Rom nie wieder; er starb wohl nach 17 n. Chr. im Exil.





