Verdun war, wie Antoine Prost und Gerd Krumeich feststellen, weder die verlustreichste noch die strategisch bedeutsamste Schlacht des Ersten Weltkriegs. Dennoch wurde es zum umfassenden Symbol für die Zerstörungskraft und Sinnlosigkeit des Ersten Weltkriegs. Zudem ist es ein Erinnerungsort, in dem Deutsche und Franzosen auf besondere Weise miteinander verwoben sind. In drei Schritten analysieren die Autoren diesen Sachverhalt.
Zunächst rekonstruieren Krumeich und Prost die strategisch-operativen Entscheidungen auf beiden Seiten. Sie widerlegen den Mythos, dem zufolge Generalstabschef Erich von Falkenhayn in einer „Weihnachtsdenkschrift“ 1915 das „Ausbluten“ der Franzosen bei Verdun geplant habe. Und sie zeigen, dass die französische Staatsführung Verdun erst nach dem Verlust der Feste Douaumont zu einem Symbol der nationalen Verteidigung stilisierte. Sodann schildern sie das Kriegserlebnis der Soldaten, mit einem Akzent auf der französischen Seite. Auf die von Louis Madelin bereits 1916 edierten erbeuteten Briefe deutscher Soldaten haben sie nicht zurückgegriffen.
Schließlich geht es um den „Mythos“ Verdun. Das 1927 noch provisorisch eingeweihte Ossuaire de Douaumont, in dem die Gebeine gefallener Soldaten gesammelt wurden, ging auf die Initiative des Bischofs von Verdun und Zuwendungen privater Geldgeber zurück. Die Autoren zeigen die gerade auf deutscher Seite verzögerte Entwicklung des Verdun-Mythos auf. Dabei erliegen sie dem Mythos allerdings auch ein wenig. Denn bei Verdun starben nicht 142 000 deutsche Soldaten, wie die Autoren behaupten; nach den zuverlässigen Daten des deutschen Sanitätsberichts waren es „nur“ rund 82 000 Gefallene und Vermisste.
Rezension: Prof. Dr. Benjamin Ziemann





