Wenn es um Bunker und Festungen aus Kriegszeiten geht, fällt den meisten Menschen zuerst Hitlers Atlantikwall ein. Diese rund 2.685 Kilometer lange Kette aus Befestigungsanlagen sollte die Küsten des Atlantiks, des Ärmelkanals und der Nordsee im Zweiten Weltkrieg vor Angriffen schützen. Vor allem in Frankreich, aber auch in Dänemark und entlang der norwegischen Küste finden sich bis heute Relikte dieser Kriegsbauten.
Weniger bekannt ist allerdings, dass das Deutsche Reich bereits im Ersten Weltkrieg im Süden Dänemarks eine Befestigungslinie baute. In der Zeit von 19165 bis 1918 entstanden entlang einer 50 Kilometer langen Linie quer durch Süd-Jütland 900 Bunker, 40 Artillerie-Batterien und zahlreiche stacheldraht-bewehrte Verteidigungsgräben. Gebaut wurde sie größtenteils von Zwangsarbeitern – Kriegsgefangenen und Gefängnisinsassen.
Die etwa auf der Höhe der Insel Römö liegenden Anlagen galten damals immerhin als stärkste Befestigung in Europa, wie die dänischen Forscher erklären. Die Befestigungen, im Englischen als Fortification North bekannt, sollten das damals deutsche Gebiet Nord Schleswig vor einer Invasion schützen, in erster Linie fürchtete man Angriffe durch britische Soldaten. Allerdings kam die “Befestigung Nord” nie wirklich zum Einsatz.
Nach dem Ersten Weltkrieg versuchte die dänische Armee, die deutschen Befestigungsanlagen so weit wie möglich zu zerstören. Das allerdings gelang nur teilweise, wie sich inzwischen herausstellt: Viele Bunker wurden schlicht übersehen, andere lagen zu nahe an Bauernhöfen oder Siedlungen, um ohne Risiko gesprengt werden zu können.
Als Folge ist diese befestigte Verteidigungslinie aus dem Ersten Weltkrieg heute eine der am besten erhaltenen weltweit, wie die Dänische Kulturagentur berichtet. Sie gebe Zeugnis eines wichtigen Abschnittes der europäischen Geschichte und auch von der Zeit der deutschen Besatzung Süd-Jütlands, heißt es. Um die noch erhaltenen Bunker und Befestigungen zu erhalten, haben dänische Archäologen bereits begonnen, die Anlagen zu sicher und Maßnahmen gegen weitere Zerstörung und Erosion zu treffen.





