Der Aufstieg Carnuntums begann ab der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr.: Aus dem ursprünglichen Legionslager entwickelte sich ein immer bedeutenderes Machtzentrum am Rande des Imperium Romanum. Zu Beginn des 2. Jahrhunderts avancierte die Stadt dann zum Verwaltungssitz der Provinz Pannonia Superior und wurde massiv ausgebaut: Carnuntum bekam alle Aspekte der römischen Kultur und bedeckte schließlich eine Fläche von etwa zehn Quadratkilometern. In den Wirren am Ende der Antike verfiel die einst blühende Stadt allerdings und wurde schließlich verlassen.
„Röntgenblick” in den Untergrund
Die Reste Carnuntums, umfangreiche Funde und Nachbauten sind heute in einem archäologischen Park etwa auf halber Strecke zwischen Wien und Bratislava zu bewundern. Große Teile der antiken Stadt schlummern aber noch immer unter den umliegenden Feldern und Weinbergen. Um die Geheimnisse im Untergrund aufzudecken, führten Archäologen in den vergangenen Jahren umfangreiche Untersuchungen mittels Magnetfeldsensoren und Bodenradar durch. Nach der Entdeckung einer Gladiatorenschule im Jahr 2011, den frühesten Marschlagern im Jahr 2014 und der Gardekaserne des römischen Provinzstatthalters im Jahr 2016, begeistern nun die neuen Funde erneut die Archäologen. Der neu erstellte vollständige Plan der antiken Stadt macht erstmals alle im Untergrund verborgenen römischen Überreste nach Jahrtausenden wieder sichtbar.
Wie die Archäologen berichten, zeichneten sich die Strukturen eines bislang noch unbekannten Amphitheaters ab – insgesamt sind nun drei aus Carnuntum bekannt. Die Anlage befindet sich 400 Meter nördlich des heute noch sichtbaren steinernen Amphitheaters aus dem 2. Jh. n. Chr.. Den Untersuchungen zufolge waren nur die innere Mauer und die Fundamente der Torbereiche des neu entdeckten Amphitheaters aus Stein gebaut, der Rest war eine Holzkonstruktion. Es handelte sich demnach wohl um ein frühes Gebäude des Veranstaltungsbereichs der Römerstadt, sagen die Archäologen.
Brot und Spiele
Durch den Röntgenblick in den Untergrund haben die Archäologen auch weitere Stadtstrukturen entdeckt, die offenbardas Vergnügungsviertel Carnuntums bildeten. Es lag vor der Stadtmauer, die seit dem Beginn des 3. Jhs. n. Chr. die Zivilstadt umschloss. Die Forscher entdeckten die Silhouetten von Tavernen (tabernae), Souvenirgeschäften und Imbissstuben (thermopolia), wo Händler ihre Waren verkauften und Wirtshäuser das Publikum zum Verweilen einluden. Hinter einer der Schenken entdeckten die Wissenschaftler ein Speichergebäude (horreum) mit Keller, wo wohl der Wein gelagert wurde. Außerdem zeichneten sich die Reste eines großen Ofens ab, in dem wahrscheinlich das Brot für die bis zu 13.000 Zuschauer im großen Amphitheater aus dem 2. Jh. n. Chr. gebacken wurde.





