Da war zum Beispiel die Krämerin Anna Matzet, eine gestandene Frau mittleren Alters, die unverhofft der Hexerei angeklagt und für schuldig befunden wurde. Dann wird von Anna Büschler, einer Bürgermeistertochter aus Halle berichtet, die so kühn war, zwei Liebhaber gleichzeitig zu besitzen. Ein Verhalten, dass ihren Vater dazu brachte sie zu verstoßen und zu enterben. Weiterhin ist die Geschichte von Wilhelmine von Grävenitz zu erfahren, die sich als Kurtisane Herzog Eberhard Ludwigs sehr erfolgreich in dessen Regierungsgeschäfte einmischte – bis er ihrer überdrüssig wurde und sie die seltene Macht in der Hand einer Frau wieder verlor.
Insgesamt 14 solcher Schicksale aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten, die sich alle im Raum des heutigen Baden-Württembergs abgespielt haben, nimmt sich Dorothea Keuler in ihrem Buch an. Sie geht der spannenden Frage nach, wie die verschiedenen beschriebenen Skandale überhaupt entstanden und wie das Leben nach ihnen weiterging – falls man überlebte. Auf diese Art schafft sie eine Plattform für diejenigen des weiblichen Geschlechts, deren Lebensweg einen vollkommen anderen Verlauf nahm, als ursprünglich angenommen.
Rezension: Simone Heinz





