Zum Ausklang des Jubiläumsjahres anlässlich des 125. Todestages Ludwigs II. beleuchtet die Schlösserverwaltung ein bisher kaum bekanntes Kapitel seiner Bauleidenschaft. Der König hatte Landshut am 21. und 22. August 1869 besucht, in der Stadtresidenz übernachtet und die Burg Trausnitz besichtigt, wo ihm zu Ehren ein großes Diner abgehalten wurde. Dieser Besuch scheint Ludwig inspiriert zu haben, auf der Burg seiner Vorfahren ein königliches Appartement einzurichten.
Am 18. März 1870 schrieb er: „Bei Meinem vorjährigen Besuche der niederbayerischen Hauptstadt Landshut habe Ich die Trausnitz besichtigt und nunmehr beschlossen, in dieser einst so herrlichen Fürstenburg, dem alten Wohnsitz meiner Ahnen, ein Absteigequartier für Mich einrichten zu lassen.“ Die Ausführung übertrug der König dem Landshuter Kreisbaurat Leonhard Schmidtner (1800–1873). Nach Schmidtners Tod 1873 vollendete der königliche Hofbaudirektor Georg Dollmann bis 1876 das Projekt.
Das „Absteigequartier“ war ein prunkvoll gestaltetes königliches Appartement, das das gesamte zweite Obergeschoss des Fürstenbaus einnahm. Die drei eigentlichen Prunkräume des Königs – Empfangszimmer, Wohnzimmer und Schlafzimmer – wurden durch zwei Vorzimmer eingeleitet und von Zimmern für die Dienerschaft und für den Adjutanten des Königs ergänzt. Die mit Pilastergliederungen und seidenen Wandbespannungen, Holzkassettendecken sowie prächtigem Mobiliar im historistischen Stil der Deutschen Renaissance ausgestalteten Wohnräume blieben unter den Innenausstattungen Ludwigs II. einzigartig.
Am 21. Oktober 1961, vor genau 50 Jahren, zerstörte ein verheerender Brand den Fürstenbau der Burg Trausnitz und mit ihm nicht nur die kostbarsten Raumausstattungen der Renaissance, sondern auch die Räume Ludwigs II. Der Fürstenbau wurde nach dem Brand in seinen Umfassungsmauern wiedererrichtet; doch unwiederbringlich verloren war der Großteil seiner wandfesten Raumdekorationen und Kunstschätze.
So war es eine freudige Überraschung, als anlässlich der Vorbereitungen zur Landesausstellung „Götterdämmerung – König Ludwig II.“ einige prächtige Möbelstücke aus den Räumen auf der Trausnitz in einem Depot auf Herrenchiemsee in nahezu unversehrtem Zustand auftauchten. Offenbar einmal als Exponate für das 1925 eingerichtete Ludwig II.-Museum vorgesehen, waren sie dem Trausnitz-Brand entgangen und hatten unbeachtet an versteckter Stelle ihrer Entdeckung geharrt.
„So entstand die Idee, dem königlichen Appartement auf der Trausnitz mit den wiederentdeckten Möbelstücken und weiteren damals aus dem Brandschutt geborgenen Relikten einen Museumsraum zu widmen“, berichtet Dr. Brigitte Langer, Museumsreferentin für die Burg Trausnitz bei der Schlösserverwaltung. Die Forschungen in Archiven und die Sichtung der Bestände förderten eine Fülle neuer Erkenntnisse sowie weitere Ausstattungsstücke zu Tage. Sie fanden Eingang in die neue Präsentation, die auf beschränktem Raum in einer eindrucksvollen Inszenierung eine Auswahl aus dem reichen Materialfundus zeigt. Zu den Exponaten gehören neben den wiederentdeckten und aufwendig restaurierten Sitzmöbeln, die mit ihren kostbaren Originalbezügen aus Seide erhalten sind, ein Porträt des jungen Königs in Lebensgröße und das Gedenkbuch, in das sich Ludwig II. 1869 anlässlich seines Besuchs auf der Trausnitz eingetragen hat.





