Dass es sich bei dem Wrack um die “Holigost” handelt, legen Überlieferungen und eine frühere Entdeckung aus den 1930iger Jahren nahe: Nicht weit von dem aktuellen Fundort waren damals die Überreste der „Grace Dieu”, eines anderen Schlachtschiffs von Heinrich V. gefunden worden. “Ich bin total begeistert”, sagt der Historiker Ian Friel, dem die aktuelle Entdeckung zu verdanken ist. Meiner Meinung nach wäre die Wiederentdeckung der Holigost noch wichtiger als die Identifizierung der “Grace Dieu”. Denn die Holigost kämpfte in zwei der bedeutendsten Seeschlachten des Hundertjährigen Krieges, die den Weg für die englische Eroberung des nördlichen Frankreich eröffneten”, so Friel. Der Fund soll jetzt unter anderem mit Ultraschallgeräten genauer untersucht werden.
Eine schwimmende Kriegsmaschine des Mittelalters
Bei der “Holigost” (Heiliger Geist) handelte es sich ursprünglich um ein erbeutetes Schiff namens “Santa Clara” aus der spanischen Flotte, dass anschließend umgebaut und schließlich in die englische Flotte eingegliedert wurde. Der neue Name Holigost geht auf die persönliche Faszination Heinrichs V. für die heilige Dreifaltigkeit zurück, sagen die Historiker. Das Schiff war für die Zeit des späten Mittelalters eine beeindruckende Kriegsmaschine: Die “Holigost” war etwa 30 Meter lang, zwölf Meter breit und besaß eine Besatzung von 200 Mann. Sie war mit sieben Kanonen bewaffnet und im Kampf schoss die Besatzung zusätzlich mit Armbrüsten und schleuderte Speere.
Am 17. November 1415 wurde die “Holigost” Mitglied der königlichen Flotte und nahm anschließend zwischen 1416 und 1420 an militärischen Operationen teil, darunter bedeutende Seeschlachten des Hundertjährigen Krieges: Sie diente als Flaggschiff des Herzogs von Bedford in der Schlacht von Harfleur 1416 und kam bei den harten Kämpfen im Jahr 1417 zum Einsatz. Überlieferungen zufolge litt das Schiff schließlich an Lecks und Rissen. Im Jahre 1423 sollte ein Taucher namens Davy Owen diese noch von außen flicken. Es handelt sich um das früheste bekannte Beispiel dieser Art von Schiffsreparatur in England. Dennoch sank das stolze Schiff schließlich eines Tages und wurde vermutlich zu dem Wrack, dass nun auf seine weitere Erforschung wartet.





