Vermutlich wurde sie irgendwann im 13. Jahrhundert errichtet – historische Dokumente berichten von einer Burg des Münsterlandes, deren Lage allerdings nur unpräzise beschrieben wurde: Sie soll bei Rheine-Elte in den Auen der Ems gelegen haben. Es handelte sich demnach um eine sogenannte Niederungsburg, die vermutlich von Wasser umgeben war. Die Anlage wurde als Schwanenburg bezeichnet, denn sie gehörte den Edelherren von Steinfurt, deren Wappen der elegante Wasservogel zierte. Auch zum Ende der Festungsanlage gibt es historische Überlieferungen: Sie wurde demnach im Jahr 1343 im Rahmen einer Fehde der Steinfurter mit dem Münsteraner Bischof Ludwig von Hessen und den Grafen von der Mark zerstört. Anschließend wurde sie nicht wieder aufgebaut und diente der ansässigen Bevölkerung offenbar ausgiebig als Quelle für Baumaterial.
Archäologie ohne Spaten und Pinsel
“Der genaue Standort geriet dann allmählich in Vergessenheit”, sagt Joris Coolen vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Wie er berichtet, gab es bereits seit Jahren Bemühungen, die einstige Lage der Burg ausfindig zu machen. Doch bisher gab es keine eindeutigen Ergebnisse. Den Anstoß für die aktuelle Untersuchung lieferte dann der Heimatforscher Andreas Brinker aus Rheine: Im digitalen Geländemodell des Landes NRW hatte er auffällige Strukturen in einem Bereich entdeckt, an dem die lange gesuchte Burg einst gestanden haben könnte. Seine Hinweise legte Brinker dann den Experten des LWL vor.
Daraufhin entschieden sie sich, das Gebiet mit modernen Messgeräten noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Es war zwar bereits 2002 vom Institut für Geophysik der Universität Münster untersucht worden – allerdings mit unklaren Resultaten. “Mit der heutigen Technik arbeiten wir sehr viel schneller und können somit große Flächen in nur kurzer Zeit untersuchen,” erklärt Coolen. “Gerade in diesem Fall hat sich wieder gezeigt, dass die großen Flächen den Unterschied machen. Nur, weil wir auch einen größeren Bereich rundum die vermutete Burganlage untersucht haben, konnten wir die magnetische Störung als mittelalterlichen Burggraben identifizieren.” Das bedeutet: Die Archäologen haben den einstigen Standort der Schwanenburg nun erstmals klar lokalisiert. Ihre Spuren im Untergrund befinden sich demnach südlich der B475 nahe bei den Höfen Willer und Strotmann, berichtet der LWL.
Eindrucksvolle Anlage mit Flussblick
Die Untersuchungsergebnisse ermöglichten dabei auch Rückschlüsse auf die Ausmaße der Anlage: “Anhand der Magnetikdaten lässt sich der Durchmesser inklusive der Gräben auf etwa 100 Meter schätzen. Die Innenfläche hat dabei einen Durchmesser von zirka 60 Metern. Damit gehörte die Schwanenburg wohl zu den größeren Niederungsburgen des Münsterlandes”, ordnet Coolen die Befunde ein. Eingerahmt wurde sie offenbar von zwei Altarmen der Ems, sodass die Burg eine natürliche Insellage am Nordrand der Emsniederung besaß. Von Norden her war sie dabei wohl über trockene Bereiche und Wege gut zu erreichen. “Teile der Altarme wurden in der Neuzeit dann zu Teichen erweitert, sodass Bereiche der ehemaligen Gräftenanlage zerstört sein dürften”, sagt LWL-Archäologe Ingo Pfeffer. Heute am Standort nichts mehr Auffälliges zu erkennen – fast symbolträchtig ziehen allerdings gelegentlich Schwäne ihre Kreise auf den Teichen.





