Der Friedhof in der Seegasse wurde im 16. Jahrhundert angelegt und ist damit Wiens älteste jüdische Ruhestätte. Als die Nationalsozialisten 1943 die Zerstörung der jüdischen Friedhöfe in Wien veranlassten, gelang es bisher noch Unbekannten, einige der Grabsteine zuvor zu vergraben. Die Gebeine der Toten wurden von den Nationalsozialisten damals nicht entfernt – sie liegen immer noch dort, wo sie Jahrhunderte zuvor begraben wurden.
Seit 2004 arbeitet die Stadt Wien im Einvernehmen mit dem österreichischen Bundesdenkmalamt an der Sanierung und Wiederherstellung des Jüdischen Friedhofs in der Seegasse. Bisher wurden rund 75 Steine restauriert. Über 50 wurden bereits an ihrem ursprünglichen Platz auf den Friedhof aufgestellt.
Als Grundlage für die Rekonstruktion dient ein Plan des Friedhofes, den der jüdische Gelehrte Bernhard Wachstein in den 1910er Jahren anfertigte. Darin sind Standorte und Inschriften der Gräber genau festgehalten. Der Israelitischen Kultusgemeinde Wien zufolge ist der jüdische Friedhof Seegasse damit weltweit der einzige, der wieder in seinen Zustand vor dem Zweiten Weltkrieg zurückversetzt werden kann. Laut Kultusgemeinde lassen die Funde der vergrabenen Steine außerdem darauf schließen, dass es noch weitere verborgene Steine geben könnte. Dies soll in den kommenden Monaten geprüft werden.
Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Ossi Deutsch, betonte die Bedeutung des Fundes: „Nach der möglichst weitgehenden Wiederherstellung des ursprünglichen Bildes dieses Friedhofes könnte er ähnlich dem Jüdischen Friedhof in Prag als kulturelles Juwel Wiens fungieren.”





