Basierend auf den Sammlungen der westfälischen NS-Gedenkstätten und bürgerschaftlichen Initiativen präsentiert das LWL-Museumsamt in seiner Wanderausstellung Biografien von Männern und Frauen, die an den Orten des Gedenkens erforscht und vermittelt werden. “Diese Biografien sind in der Region und an den Orten von Leiden und Gewalt verankert. Ihre individuellen Schicksale fordern auf nachzufragen und hinzuschauen”, erklärt Ausstellungsmacherin Anna Gomoluch. In der Ausstellung gehe es darum zu zeigen, welche Informationen, Objekte und Hinweise heute noch sichtbar seien, so Gomoluch weiter.
Im ersten Ausstellungsbereich stehen “verwischte Spuren” im Mittelpunkt. Gemeint sind Objekte, die keine eindeutige biografische Zuordnung erlauben, wie etwa ein von einem unbekannten sowjetischen Kriegsgefangenen gebasteltes Strohkästchen oder ein auf dem Gelände eines Gefangenenlagers gefundener Löffel. Der zweite Abschnitt, die “Fundstücke”, verbindet interessante Objektgeschichten mit biografischen Informationen aus Westfalen. So ist die Jacke eines KZ-Häftlings zu sehen, die nach seinem Tod 1994 in seinem Kohlenkeller gefunden wurde – er hatte sie sein Leben lang als Arbeitskleidung genutzt. Und der Einband, der als alleiniger Rest vom Fotoalbum einer jüdischen Familie aus Drensteinfurt übrig geblieben ist, erinnert an die Auslöschung einer ganzen Bevölkerungsgruppe.
Im Kapitel “Täter, Mitläufer, Zuschauer” liegt das Augenmerkt auf den denjenigen, die bei Verfolgung und Vernichtung auf der Täterseite standen und in ihren Positionen unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten hatten. Im letzten Abschnitt “Leben mit der Erinnerung” schließlich widmet sich die Ausstellung Männern und Frauen, die in ihrer Zeitzeugenschaft eine besondere Aufgabe gesehen haben oder bis heute unter den Verbrechen der Nationalsozialisten leiden.
Als Susi Schmerler ihren Brief an das Rote Kreuz schrieb, lebte sie bereits in Palästina. Von ihrer Familie hatte sie seit Kriegsbeginn keine Nachricht mehr erhalten. Als Juden ohne deutsche Staatsangehörigkeit waren sie im Oktober 1938 an die polnische Grenze deportiert und dort interniert worden.
Ihre Spur verliert sich im Ghetto von Krakau. Schmerler lebte bis zu ihrem Tod 2001 in Israel. Da ihre Kinder kein Deutsch gelernt haben, überreichte ihr Ehemann die Briefe ihrer Eltern an den Verein “Erinnern für die Zukunft e.V.” aus Bochum. Erst dadurch ist es gelungen, die Spuren der Familie Schmerler in ihrer Heimatstadt zu verankern.
Die Ausstellung stellt eine Auswahl solcher Biografien vor und zeichnet individuelle Lebenswege nach. Sie zeigt, welche Rolle diese Lebensläufe in der Bildungsarbeit an den NS-Gedenkstätten und an einigen Museen einnehmen. “Wir wollen mit der Ausstellung zur Auseinandersetzung mit einem Thema anregen, das durch das Ende der Zeitzeugenschaft an Aktualität gewinnt”, so Gomoluch.





