Es war eine schwere Geburt, die Mutter und Säugling hart zusetzte, als der spätere Friedrich V. von der Pfalz am 26. August 1596 im oberpfälzischen Jagdschloß Deinschwang das Licht der Welt erblickte. Seine Eltern, Kurfürst Friedrich IV. und Louise Juliane von Oranien, waren im Januar 1596 von Heidelberg in die Oberpfalz aufgebrochen, um dort einige Zeit zu residieren. Sechs Wochen nach der Geburt folgte die Taufe des Kurprinzen in der Martinskirche zu Amberg. Die Anwesenheit zahlreicher Fürsten und Diplomaten bei der Feier zeugte nicht nur vom internationalen Ansehen, das die Kurpfalz um 1600 genoß, sie spiegelte auch die vornehme Abstammung des kleinen Pfalzgrafen wider. Bestanden väterlicherseits zu fast allen deutschen Fürstenhäusern verwandtschaftliche Beziehungen, so war Friedrich durch die Herkunft seiner Mutter sowohl ein Enkel Wilhelms von Oranien als auch ein Neffe der Herzöge von La Tremoille und von Bouillon, alles vornehmste Repräsentanten des evangelischen Hochadels Europas. Bis zum siebten Lebensjahr wuchs der Kurprinz in der Obhut seiner Mutter auf. 1604 schickte ihn der Hof zur weiteren Erziehung zu seinem Onkel Heinrich von Bouillon auf die calvinistische Ritterakademie nach Sedan. Dort erhielt Friedrich nicht nur eine besonders gründliche theologische Ausbildung, sondern wurde nachhaltig mit den höfischen Umgangsformen vertraut gemacht, um seiner zukünftigen Rolle als Landesherr gerecht zu werden. Insbesondere die französische Sprache spielte dabei zur Verständigung mit ausländischen Fürsten und Diplomaten eine wichtige Rolle. Doch noch ehe Friedrich seinen Aufenthalt in Sedan 1612 beendet hatte, verlor er seinen Vater. Kurfürst Friedrich IV. war im September 1610 im Alter von nur 36 Jahren an den Folgen seines unmäßigen Lebenswandels gestorben. Da der Kurprinz beim Tode seines Vaters erst 14 Jahre alt war, drohte eine Vormundschaft durch den lutherischen Pfalzgrafen von Neuburg. Dies wollten die calvinistischen Räte am Heidelberger Hof unter allen Umständen vermeiden. Daher umgingen sie die Statuten der Goldenen Bulle von 1356 und setzten den calvinistischen Pfalzgrafen von Zweibrücken als Vormund ein. Noch auf dem Totenbett Friedrichs IV. legte Johann II. von Pfalz-Zweibrücken den Eid als Kuradministrator ab. Anschließend kam es zu einem heftigen Streit zwischen dem Neuburger und dem Zweibrücker Pfalzgrafen, der erst mit der Volljährigkeit Friedrichs V. endete.
Doch die Räte in der Heidelberger Regierung waren nicht nur darauf bedacht, das calvinistische Glaubensbekenntnis in der Kurpfalz zu sichern, sie hatten mit dem Kurprinzen auch Großes vor. Der gründlichen Ausbildung am Sedaner Fürstenhof sollte eine standesgemäße Heirat – möglichst mit einer Königstochter – folgen. Die Gelegenheit dazu ergab sich im Zuge der Bündnisverhandlungen der 1608 unter der Führung der Kurpfalz gegründeten evangelischen Union mit England. Friedrich war nicht der erste, der um die Hand der Elisabeth Stuart, der einzigen Tochter König Jakobs I., anhielt. Mehrere Offerten waren wegen der Religion oder als “nicht standesgemäß” abgelehnt worden. So stieß auch die pfälzische Werbung am Londoner Hof auf Skepsis, zumal sich die Engländer unter dem Titel eines “Pfalzgrafen” nichts vorstellen konnten. Deshalb reiste der Hofmeister Friedrichs, Hans Meinrad von Schönberg, zum Jahreswechsel 1611/12 über den Ärmelkanal, um dort den Stand und die Vorzüge Friedrichs herauszustellen. Die Verhandlungen verliefen derart erfolgreich, daß der Bräutigam schon im Herbst 1612 zu seiner Heirat nach England abreiste. Schönberg hatte jedoch nicht jeden von der vornehmen Herkunft und Stellung seines Herrn überzeugen können. Allen voran die Gattin Jakobs I. – Anna von Dänemark – und die Diplomaten Madrids hätten Elisabeth Stuart lieber mit dem König von Spanien verheiratet. Sie stellten nicht nur den Rang des Bräutigams in Frage, sondern streuten auch Gerüchte aus, daß der Pfalzgraf körperlich verunstaltet sei. Um so überraschender war für die Gastgeber das Auftreten Friedrichs bei seiner Ankunft in England. Sein angenehmes Äußeres und seine vollendeten Umgangsformen beeindruckten, rasch gewann er das Herz seiner Braut. Am Valentinstag des Jahres 1613 folgte die Trauung in der Palastkapelle von Whitehall. Schon Tage zuvor waren die Hochzeitsfeierlichkeiten mit einem großen Feuerwerk auf der Themse eingeleitet worden. Hatte die Königin inzwischen ihre Opposition gegen den pfälzischen Schwiegersohn aufgegeben, so blieben der Botschafter Madrids und die Abgesandten der übrigen habsburgischen Kronländer der Zeremonie demonstrativ fern. Für Unverständnis sorgte bei den Gastgebern freilich auch das Drängen der pfälzischen Delegation, bald nach der Heirat die Insel wieder verlassen zu wollen. Schönberg hatte bei seiner Werbung die Würden des pfälzischen Kurfürsten mit den Königen von Dänemark und Schweden verglichen. Dementsprechend waren Auftreten und Ausgaben. Schon zu Weihnachten 1612 mußte man aus Heidelberg einen größeren Geldbetrag anfordern. Dieser Pomp sollte die Skeptiker von der “königsgleichen” Würde überzeugen. Es blieben Zweifel, als die pfälzischen Gäste Ende April 1613 England verließen. Selbst der Bräutigam mußte dies erkennen.





